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Kunst mit Mosaiksteinchen
Mack-Stelen auf Reisen

Heinz Mack hat neun Stelen mit goldenen Mosaiksteinchen überzogen. Nach Venedig sind sie jetzt in Valencia zu sehen. Ein Besuch lohnt sich. Von Annette Bosetti

Bald geht's in die Sommerferien. Mit gepackten Koffern und erwartungsfroh ziehen die Menschen los, hungrig nach neuen Erlebnissen. Soeben erst ist auch ein spektakuläres Kunstwerk verreist, vom italienischen Venedig ins spanische Valencia, wo es sich bis November in einem Wasserbassin der futuristischen Architektur von Santiago Calatrava entgegenstellt. Fast acht Meter erheben sich diese geometrischen Stelen in den Himmel - in klarer Ordnung wie ein archaisches Stelenfeld. Die neun Pfeiler mit ihren 45 reflektierenden Flächen fangen, bündeln, verstärken das Licht. Einem Kraftwerk gleich erzeugen sie je nach Tageszeit, Blickwinkel und Wolkenlage unterschiedliche Lichtschauer. Und sie werfen ihre goldenen Schatten auf das Wasser - ein gigantisches Glitzern.

Wer unterwegs in Spanien ist, sollte keinesfalls an Valencia vorbeifahren. Eine steinalte, progressive, sehenswerte und lebensfrohe Stadt ist das. Für ein Wochenende lohnt es sich schon, mit dem Flugzeug ist man schnell und preiswert da, Hotels gibt es in jeder Preisklasse. Die Stadt bietet ein Vielerlei an Gastronomie, Geschichte, Meer und Kultur. Einen Kunsttrip sollte man jedenfalls einplanen zu jener magischen Installation aus 850.000 Mosaiksteinchen, die mit einem 14-karätigem Funkeln der Sonne Konkurrenz macht.

"The Sky over Nine Columns" hat der in Mönchengladbach beheimatete 85-jährige Künstler seine Arbeit genannt, was auf deutsch "Der Himmel über neun Säulen" heißt und die Quintessenz seines Schaffens darstellt. Ungewöhnlich erscheint, dass der international renommierte Gründer der Zero-Gruppe (mit Otto Piene) einen englischen Titel wählte, an dem wir indes ablesen können, dass das Werk weltumspannend gedacht ist. Schon vor vielen Jahren fasste Heinz Mack den Plan zu dieser Arbeit - sie sollte anlässlich seiner Einzelausstellung im Museum für Islamische Kunst im Berliner Pergamon-Museum auf dem Vorplatz aufgebaut werden. Noch viel früher, nämlich in den 1970er Jahren, entwarf Mack schon mit Gold überzogene Stelen, die er in der Wüste platzierte. Die Wüste war ein Aktionsort des Künstlers, der ihn berühmt machte und der als ein unvergleichliches Labor für seine künstlerischen Versuche mit Licht und Bewegung im elementaren Raum diente.

"Die Stelen in der Wüste", sagt der Künstler, "bleiben eine letzte Formulierung des Menschen, der aufrecht - mit Würde - im grenzenlosen Raum steht." Solche Skulpturen wie die von Mack verbinden Kunstgeschichte über die Jahrtausende, weil sie die schon in uralten Tempelstätten und Grabmälern eingesetzten Säulen aufgreifen.

Erstmalig wurde das goldummantelte Stelenfeld im Juni 2014 in Venedig auf der Insel San Giorgio Maggiore gezeigt, an einem Ort, an dem Orient und Okzident aufeinandertreffen und an dem sich das vielleicht geheimnisvollste Licht des Abendlandes allabendlich über die Lagune legt. Dort begann die Reise von "The Sky over Nine Columns", die zunächst an den Bosporus nach Istanbul und nun nach Valencia führte. In Zukunft sind weitere Orte geplant wie das australische Sydney oder auch Sankt Moritz.

Heinz Mack, der gebürtig im hessischen Lollar und seit seiner Jugend dem Rheinland verbunden ist, ist ein Kosmopolit. Schon jung agierte er, ohne Grenzen zu beachten. Internationale Künstler kamen Ende der 1960er Jahre zusammen, es herrschte Kalter Krieg. Die in Düsseldorf beheimatete Künstlergruppe Zero wollte all das Böse, was der Zweite Weltkrieg angerichtet hatte, überwinden, die Bilder des Schreckens und Grauens hinter sich bringen. Zero war ein Neubeginn, Zero rief die Stunde Null aus. Die Kunst veränderte sich radikal.

Otto Pine (gestorben 1985 ) malte mit dem Feuer, Günther Uecker, machte mit genagelten Reliefs von sich reden, und Mack zog aus, nicht nur seinen Radius der Agitation in den unendlichen Raum zu erweitern, sondern um der Kunstwelt neue Einsichten und Weitblicke zu schenken. Seine Skulpturen, Rasterbilder und Rotoren jener Zeit sind bis heute einmalig und aussagekräftig. Dazu kommt die Malerei.

In Valencia sagte Mack: "Meine Skulptur ist ein Instrument des Lichts" - und dass man angesichts des Goldes die Erdanziehung vergesse. "Meine Säulen verbinden die Erde mit dem Himmel". Daher verlieh er seiner Skulptur den Titel.

Quelle: RP
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