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Düsseldorf
Männer leiden deutlich häufiger an lästigem Schluckauf

Düsseldorf. Oft kommt er genau zum falschen Augenblick. Dem siebenjährigen Nathan war die Aufgabe übertragen worden, vor einem Baseballspiel im australischen Adelaide die Nationalhymne zu singen. Doch dann wurde er von einem hartnäckigen Schluckauf heimgesucht. Was hätte Luciano Pavarotti in dieser Situation gemacht? Nathan jedenfalls stand sein Lied durch - und bekam am Ende seinen verdienten Publikumsapplaus und High-Fives von den Baseballspielern. Im Internet ist das Video mit seiner Hiccup-Hymne ein vielfach angeklickter Renner. Von Jörg Zittlau

Kinder leiden besonders oft unter Schluckauf, weil ihr zentrales Nervensystem noch Probleme damit hat, das komplexe Wechselspiel von Atmung, Schlucken und Lautgeben zu koordinieren.

Doch auch Erwachsene werden von ihm heimgesucht, und das liegt dann eher an ihrem Lebensstil. "Die häufigste Ursache ist eine Dehnung des Magens durch eine große Mahlzeit oder kohlensäurehaltige Getränke", erklärt Physiologe Mark Fox von der Uni Zürich. Denn diese Dehnung bedrängt nicht nur das Zwerchfell, sondern irritiert auch die Nerven, mit denen es versorgt wird.

Weitere häufige Ursachen sind kalte und heiße Speisen sowie Alkohol und Nikotin, und wenn wir aufgeregt hyperventilieren, kann dies ebenfalls im Schluckauf enden. Außerdem sind unter den Hicksenden bis zu 20 Mal mehr Männer als Frauen. Möglicherweise, weil sie bei der Nahrungsaufnahme zu sehr schlingen, oder aber, weil sie mehr mit dem Zwerchfell atmen.

Wenn man es schafft, den Schluckauf zwischen dem fünften und zehnten Hick zu unterdrücken, hat man eine reale Chance, ihn völlig beendet zu haben. Dazu reicht es meistens schon aus, kräftig einzuatmen und für ein paar Sekunden die Luft anzuhalten oder sich eine Papiertüte vor Mund und Nase zu halten, weil dadurch der Kohlendioxidgehalt ansteigt und die Atmung beruhigt wird.

Ist man allerdings über den zehnten Hickser hinaus, muss man noch mit mindestens 50 weiteren rechnen - und es wird deutlich schwieriger, den Schluckauf binnen der nächsten Minuten überhaupt zum Erliegen zu bringen.

Über die Altersgrenzen hinweg wirkt demgegenüber das Trinken von Eiswasser oder das Schlucken eines Eiswürfels. Dabei wird ein vegetativer Nerv in der Nähe der Speiseröhre angeregt, der dann die Hickser hemmen soll. Ein ähnliches Ziel verfolgt auch der Trick, jeweils einen Finger in die Ohren zu stecken. Denn auch dort sitzt ein Ausläufer des vegetativen Nervensystems. Dauert der Schluckauf länger als zwei Tage, ist ein Besuch beim Arzt angesagt, der dann pharmazeutische Mittel verordnen kann.

Solide Wirkungsbelege existieren hier, wie Fox in einer aktuellen Studie ermittelt hat, für Metoclopramid, das die Bewegungen der Magenwand mobilisiert, und für Baclofen, das für eine umfassende Muskelentspannung sorgt. "Auch viele Epilepsie-Medikamente können bei chronischem Schluckauf hilfreich sein", so der Schweizer Forscher. Und ihr Nebenwirkungsrisiko sei zudem gering, weil sie ja im Hickser-Fall nicht lange zum Einsatz kommen.

Quelle: RP
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