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Klassik
Max Reger, der große Spätromantiker

Unter den großen Komponisten der Musikgeschichte ist der Typ des Sonderlings nicht selten. Aktuell gedenken wir - auch unter diesem Vorzeichen - eines Genies, das sich aus dem konzertanten Musikbetrieb verloren hat. Er schrieb Musik, die schweren Trauben glich, war schwierig im Umgang und trank viel. Gleichwohl galt Max Reger (1873-1916) damals als verehrter Meister. Hindemith bekannte: "Er war der letzte Riese in der Musik. Von Wolfram Goertz

Ich bin ohne ihn nicht zu denken." In diesem Jahr feiern wir den 100. Todestag dieses Künstlers, der sich unserem Musikbewusstsein vor allem als Orgelkomponist eingraviert hat. Die Choralphantasien über "Wachet auf, ruft uns die Stimme" oder "Wie schön leucht uns der Morgenstern", das B-A-C-H-Wunderwerk, die "Monologe", die fis-Moll-Variationen, die sensationell einfallsreichen Orgelstücke op. 59, die kleinen Choralvorspiele - dies alles sind Kostbarkeiten aus der Schmuckschatulle jedes Organisten, die allerdings nicht mehr so oft auf Konzertplänen auftauchen, wie es früher der Fall war.

Junge Organisten lieben es Französisch, spielen lieber Messiaen, Dupré und Widor als den schwerblütigen Reger. Tatsächlich ist Regers Musik alles andere als eingängig. Unter der Tarnkappe barocker Muster wie Fuge, Passacaglia und Toccata orientierten Meisters importiert Reger eine ausgereizte Chromatik, die man erst begreifen muss, dann aber extrem faszinierend findet. In dieser Hinsicht kann sich der Orgelmusikfreund freuen, dass die legendäre Gesamteinspielung aller Orgelwerke Reger mit Kurt Rapf für das Label MPS jetzt für einen Spottpreis auf 14 CDs zu haben ist.

Rapf ist ein überlegener Techniker und einfühlsamer Interpret; die Orgeln stehen beispielsweise in den Domen von Lübeck und Linz. Das braust! Auch Regers Klavierwerke sind immer wieder begeisternd, sofern sich mal ein Interpret bereitfindet, sie zu spielen. Und so wichtiger die großartige Aufnahme von Regers Werken für zwei Klaviere (darunter die Mozart- und die Beethoven-Variationen; MDG) mit Evelinde Trenkner und Sontraud Speidel.

Sie bringen diese vielstimmige, phantasievolle Musik faszinierend zum Klingen.

Quelle: RP
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