| 07.13 Uhr

Fotografie
Mode im Museum

Modefotografie ist in den großen Museen angekommen. In diesem Sommer gibt es viele sehenswerte Ausstellungen zum Thema. Ein Überblick. Von Dagmar Haas-Pilwat

1987 trat Karl Lagerfeld das erste Mal offiziell hinter die Linse seiner Kamera: Eric Pfrunder, damals wie heute Image Director von Chanel, bat ihn, die Pressebilder zu seiner Kollektion selbst zu fotografieren. Seitdem hat Lagerfeld unzählige Kampagnen für Chanel und Fendi fotografiert - hinzu kamen über die Jahre ebenso viele Serien für Magazine. "Fotografie ist heute Teil meines Lebens", sagt er selbst. "Ich kann das Leben nicht ohne die Vision der Fotografie sehen." In Florenz wird nun erstmals eine Retrospektive seiner Arbeiten ausgestellt - kuratiert von seinem Verleger Gerhard Steidl und Eric Pfrunder.

Als Kreativchef von Chanel hat Karl Lagerfeld viele Aufgaben. Die des Hausfotografen ermöglicht es ihm am besten sein Talent, Mode mit cineastischem Appeal und Drama zu verschmelzen, zu verwirklichen. Die Ausstellung "Karl Lagerfeld. Visions of Fashion" zeigt, wie gut er darin ist und vereint 200 Fotografien - darunter zahlreiche bislang unveröffentlichte - in den güldenen, von herrschaftlichen Leuchtern geschmückten Sälen des altehrwürdigen Palazzo Pitti in Florenz. Präsentiert werden die Aufnahmen entweder wie Banner auf lichtdurchlässigem Papier oder als Lichtboxen; Werbekampagnen, Magazin-Strecken und private Projekte zeugen hier von dem künstlerischen Blick des Designers und unangefochtenen Königs der Branche. (bis 23. Oktober, www.pittimmagine.com)

Statt auf aufwendige Inszenierungen, die sich in der Welt der Mode ja großer Beliebtheit erfreuen, setzt der deutsche Fotograf Juergen Teller auf einen minimalistischen und exzentrischen Ansatz. Er hat sich damit dank des hohen Wiedererkennungswerts seiner Arbeiten eine eigene Nische geschaffen. Die Ausstellung "Juergen Teller - Enjoy Your Life" in der Bundeskunsthalle in Bonn gibt vielfältige Einblicke, von der kraxelnden Kim Kardashian über Werbeanzeigen für Céline oder Marc Jacobs, bis hin zu Landschaften und Alltagsaufnahmen, die von Tellers schräger und sperriger Herangehensweise an den Kommerz zeugen - und ihm zu künstlerischem Erfolg verhalfen. (bis 23. September, www.bundeskunsthalle.de)

Der 2004 verstorbene Fotokünstler Helmut Newton und seine Frau June — die unter dem Pseudonym Alice Springs arbeitete — waren ein Fotografenpaar, das unabhängig voneinander für alle wichtigen Mode- und Lifestylepublikationen des 20. Jahrhunderts aktiv war. Die dreiteilige Ausstellung - "Alice Springs: The MEP Show/Helmut Newton: Yellow Press / Mart Engelen: Portraits" im Berliner Museum für Fotografie setzt ihre Arbeiten in einen Dialog. (bis 20. Oktober, www.museumsportal-berlin.de)

Tiefgründigere Einblicke ins Newtonsche Werk werden im Foam Museum in Amsterdam geboten, das sämtliche Ausstellungräume im 150 Jahre alten Bau für die Schau "Helmut Newton - A Retrospective" geräumt hat. Mehr als 200 Fotos sind hier zu sehen, viele davon stammen aus den Beständen der Berliner Helmut-Newton-Stiftung - von raren Vintage-Abzügen bis zu den berühmten und immer noch bemerkenswerten Aufnahmen. Persönliche Einblicke bietet zudem der Film "Helmut by June" von 1995, den Newtons Ehefrau drehte. (bis 4. September, www.foam.org)

Die erste Ausstellung in den Niederlanden, die dem deutschen Fotografen Peter Lindbergh gewidmet ist, wird am 10. September eröffnet. Die Kunsthalle Rotterdam hat die 220 Fotos umfassende Retrospektive initiiert und produziert. Im Rahmen dieses spektakulären Überblicks über Lindberghs umfassendes Werk wird auch exklusives Material gezeigt, das von bisher niemals unveröffentlichten Notizen, Storyboards, Polaroids, Kontaktbögen und Filmen bis zu monumentalen Drucken reicht. Die Ausstellung "Ein anderer Blick auf Modefotografie" ist eine Ode an Lindberghs Werk, das von 1978 bis zum heutigen Tag reicht.

Unterteilt ist sie in neun Bereiche: Supermodels, Modeschöpfer, Zeitgeist, Tanz, die Dunkelkammer, das Unbekannte, die Leinwand, Ikonen und eine exklusive Rotterdam-Galerie. Lindberg, gebürtiger Duisburger, führte mit zeitlosen Bildern, die Schönheitsstandards neu definierten, einen neuen Realismus in die Fotografie ein. Seine visuelle Ausdrucksweise wird von der Filmsprache beeinflusst und durch sein Spiel mit dem Typ der starken, selbstbewussten Frau - von der Femme Fatale zur Heldin, sowie der Tänzerin und Schauspielerin. Sein Werk wird charakterisiert von Porträts, die eine gewisse Hemmungslosigkeit und körperliche Anmut auszeichnet. (bis 12. Februar 2017, www.kunsthal.nl)

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Fotografie: Mode im Museum


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.