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Düsseldorf
Mondfinsternis um vier in der Früh

Düsseldorf. Das Wechselspiel der kosmischen Kräfte hat uns warten lassen: Nach siebeneinhalb Jahren werden wir am 28. September wieder eine Mondfinsternis erleben können - zwischen 4.11 und 5.23 Uhr. Von Ludwig Jovanovic

Es wird eine düstere Nacht am 28. September, wenn der Mond sich verfinstert und die helle Scheibe unseres dann rund 363 000 Kilometer entfernten Begleiters abtaucht: Zwischen 4.11 und 5.23 Uhr wird der Schattenmantel unserer Erde den Trabanten verhüllen - wenn unser blauer Planet vor dem Mond steht und verhindert, dass er von der Sonne angestrahlt wird.

Mit mehr als 70 Minuten Länge ist der Hauptakt des kosmischen Schauspiels in der Nacht relativ lang - und ungewöhnlich spektakulär. Die Finsternis fällt mit einem "Supermond" zusammen: Auf seiner Bahn erreicht unser Begleiter am 28. September den erdnächsten Punkt und wirkt darum 14 Prozent größer als in seiner erdfernsten Position. Nach Berechnung der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie zeigt der Mond erst wieder am 2. September ein so gutes Timing - im Jahr 2574.

Das Schauspiel in diesem Jahr beginnt trotz seines seltenen Charakters unscheinbar um 2.10 Uhr, wenn der Mond in den Halbschatten der Erde eintritt und sich in Richtung des bis zu 1,4 Millionen Kilometer langen Kernschattens bewegt. In ihn taucht der Mond gegen 3.07 Uhr langsam ein. Und Minute um Minute scheint die Nacht dann unseren Trabanten zu verschlingen, bis gegen 4.11 Uhr nichts mehr von ihm zu sehen ist. Auf die Sekunde genau lässt sich das nicht angeben, weil der Schattenwurf der Erde aufgrund ihrer Atmosphäre nicht scharf umrissen, sondern diffus verwaschen ist.

Um 4.47 Uhr erreicht die Finsternis ihr Maximum, ab 5.23 Uhr schiebt der Mond sich langsam zurück ins Licht und erobert die Nacht zurück. Oder versucht es zumindest. Denn das Ende des Schattenspiels fällt mit der Morgendämmerung zusammen. Bei freiem Blick in Richtung Westen macht das ungewöhnliche Fotomotive möglich, wenn der Mond sich im Schein des herannahenden Tages schnell dem Horizont nähert. Zehn Minuten nach dem Sonnenaufgang tritt er um 7.24 Uhr endgültig aus dem Halbschatten der Erde und geht nur eine Minute später unter. Insgesamt dauert das Spektakel vom Eintritt in den Halbschatten bis zum Austritt etwas mehr als fünf Stunden.

Anders als eine Sonnenfinsternis kann der verdüsterte Vollmond fast überall auf der Nachtseite der Erde beobachtet werden; er sieht von jedem Punkt fast gleich aus. Voraussetzung dafür ist aber, dass Sonne, Erde und Mond auf einer Linie liegen. Und das ist nicht bei jedem Vollmond der Fall. Weil die Bahn unseres Trabanten leicht gegen den Orbit der Erde um die Sonne geneigt ist, kann unser Begleiter bis zu 37 000 Kilometer über- oder unterhalb der Linie Sonne-Erde-Mond vorbeiziehen. Bisweilen tritt die Vollmondscheibe auch nur teilweise in den Kernschatten ein. Dann lässt sich nur eine partielle Finsternis beobachten.

Doch selbst wenn er wie am 28. September ganz in die Düsternis eintaucht - völlig verhüllt wird der Mond nicht. Er durchquert dieses Mal nicht ganz das Herz der Finsternis: das dunkle Zentrum des Kernschattens. Vielmehr passiert er es knapp. Zudem wird das langwelligere, rote Licht der Sonne in der Erdatmosphäre gebrochen und kann so den Mond bis in den düsteren Kernschatten hinein noch schwach beleuchten. Zumindest wenn die Luft klar ist. Die Helligkeit und Färbung des Mondes während einer Finsternis sind darum ein Indiz für die Sauberkeit der Luft. Als beispielsweise der Vulkan Pinatubo 1991 ausbrach, fiel die Mondfinsternis sehr dunkel aus. Der französische Astronom André-Louis Darjon entwickelte darum eine Skala für die Helligkeit des Mondes während einer seiner Verdunklungsphasen. Als Maß für die Verschmutzung der Erdatmosphäre konnte sie sich nicht durchsetzen, weil Satelliten, Ballons und Flugzeuge genauere Daten liefern.

Und für die alten Griechen war die Mondfinsternis ein weiteres Indiz dafür, dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel ist. Denn sonst könnte sie keinen kreisförmigen Schatten werfen. Anders als oft behauptet ging dieses Wissen im Mittelalter nicht verloren. Dem US-Historiker Jeffrey Burton Russel zufolge hat bereits seit dem 3. Jahrhundert vor Christus kein gebildeter Mensch der westlichen Welt mehr geglaubt, dass die Erde eine Scheibe sei.

Quelle: RP
 
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