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Musik für die Fahrt durch den Morgentau

Popmusik Man sollte all sein Geld sparen und nach Los Angeles fliegen, dort ein Auto mieten - irgendeinen roten Flitzer - und über den Highway One gen San Francisco rauschen. Unterwegs begegnen einem grüne Wiesen mit Schafen, schwindelerregende Serpentinen und die schönen aus US-TV-Serien bekannten Strandstädtchen, Santa Barbara, Santa Cruz, Santa-und-so-weiter. Unterwegs höre man Warpaint! "Heads Up" heißt die neue Platte der vier Kalifornierinnen, es ist ihr drittes und zum Glück nicht so verschwurbeltes Album, das waren nämlich die Vorgänger. Von Klas Libuda

Warpaint haben immer gern und viel herumexperimentiert, mit verzerrten Stimmen und psychedelischem Sound, und auch das neue Album ist im Grunde ein Versuch: Nun nämlich klingen Warpaint für deren Verhältnisse geradezu aufgeräumt, manche nennen das "poppig" - wer so spricht, meint das aber meistens nicht nett. Jedenfalls bringt dieses Album für so eine Autofahrt an der Westküste alles mit: Indie- und Krautrock, Elektronisches, Glücksversprechen und California Sadness.

Der erste Song heißt "Whiteout" und klingt nach Morgentau. Vorangetrieben wird das Lied vom Schlagzeug in Sechzehnteln, die Gitarren verheddern sich derweil im Shoegaze - die Musikrichtung trägt ihren Namen ja, weil man sich dazu mit hängendem Kopf auf die Schuhspitzen gucken kann. Emily Kokal singt dann auch recht verschlafen, und im zweiten Stück haben sie ihrer Stimme jede Menge Hall beigemischt, so als habe sie den Song "By Your Side" in der Sixtinischen Kapelle aufgenommen.

Es gibt dann einen schönen Bruch: "New Song" heißt das Lied, das nach Indiepop-Kolleginnen wir Grimes und Maja Ivarsson von The Sounds klingt und nach einem Ritt in den Sonnenaufgang. Tatsächlich geht's zunächst ums Wetter: "You come along / And wash away the rain", singt Kokal. "New Song" haben Warpaint vorab als Single herausgebracht, es ist ein Liebeslied und so eingängig, dass man zum Schluss den CD-Player zurückschalten und es noch einmal hören möchte.

Kann man machen, klar, nur verpasst man dann den schönen Rest der Platte.

Quelle: RP
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