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Düsseldorf
Kate Tempest kommt

Düsseldorf. Die britische Sängerin tritt Ende des Monats beim New Fall Festival in Düsseldorf auf. Außerdem werden Wilco, John Grant und Agnes Obel erwartet. Von Philipp Holstein

Sie sieht immer aus, als seien ihre Klamotten klamm, als friere sie, und man hat ständig das Bedürfnis, ihr eine Decke über die Schultern zu legen. Die würde sie allerdings ablehnen, da darf man sicher sein, die braucht sie gar nicht, denn sie brennt, sie ist ein Wort-Vulkan, der Zuhörer mit Konsonanten durchknetet und mit Vokalen piekst, und dass dieser Satz so lang ist, liegt auch an ihr, weil sie auf ihrem neuen Album Wortgirlanden flicht, die sich winden und kringeln und nie an ein Ende zu kommen scheinen.

Die Engländerin Kate Tempest ist 30 Jahre alt, sie ist so ziemlich das Tollste, das gerade von der Insel kommt, und am 29. Oktober tritt sie in Düsseldorf beim New Fall Festival auf. Als die Veranstalter die Künstlerin gebucht haben, wussten sie nicht, dass die kurz vor dem Konzert ein neues Album herausbringen würde, aber "Let Them Eat Chaos" ist soeben erschienen, und es ist eine Wucht - buchstäblich. Tempest erzählt darauf mit großer Sprachmacht und -lust von sieben Menschen in Süd-London, die in derselben Nacht um 4.18 Uhr aufwachen. Da sind die alleinerziehende Mutter Alesha, der PR-Manager Bradley, und die Sozialarbeiterin Esther, und sie alle sind versehrte Seelen, geschunden vom Kapitalismus, verloren in der Digitalisierung. Tempest fühlt sich ein in ihre Figuren, sie entwirft Leben. Sie rappt, das ist HipHop, aber eine eigenständige Version davon. Jedes Wort ist eine Skulptur; Beats, Bässe und elektronisches Gefrickel bleiben im Hintergrund, und wenn man das Album bis zu jenem Punkt gehört hat, an dem ein mächtiger Sturm über London aufzieht, will man genauso englisch sprechen können wie Kate Tempest.

Sie war Fan der HipHop-Formation Wu-Tang Clan, so etwas wollte sie auch machen, und wahrscheinlich mag sie auch Anne Clark, denn manchmal erinnert Tempests Musik an die der Kollegin. Ihren Künstlernamen hat sie von Shakespeare übernommen, von dessen Drama "The Tempest" ("Der Sturm"), und geboren wurde sie als Kate Esther Calvert. Seit sie 16 ist, steht sie auf Bühnen und reimt. Sie hat ein Theaterstück geschrieben, 2014 das Debütalbum "Everybody Down" veröffentlicht und einige Figuren aus ihren darauf vertonten Kurzgeschichten in ihren Roman "Worauf du dich verlassen kannst" mitgenommen. Bei Suhrkamp ist just auch noch ihr erster Lyrikband erschienen: Sie kann alles, so hat es den Anschein, die Quelle in ihrem Kopf sprudelt, und alles gelingt.

Tempest ist so etwas wie der Headliner des New Fall Festivals, das am letzten Oktober-Wochenende in Düsseldorf stattfindet. Das Konzept dieser Veranstaltung sieht vor, erwachsenen Musikfans besondere Künstler an ungewöhnlichen Orten zu präsentieren, und so wird man die dänische Singer-/Songwriterin Agnes Obel am 28. und 29. Oktober in der Johanneskirche erleben und die amerikanischen Helden Wilco um Bandleader Jeff Tweedy mit ihrem Album "Schmilco" am 20. Oktober in der CCD Stadthalle.

Zu empfehlen ist auch das Duo Grandbrothers. Es tritt am 27. Oktober in der Johanneskirche auf: Erol Sarp und Lukas Vogel haben sich 2011 am Institut für Musik und Medien der Schumann-Hochschule kennengelernt, und sie haben eine Apparatur erfunden, mit der sie ziemlich schöne Musik herstellen. Elektromagnetische Hämmerchen schlagen dabei auf die Saiten eines Konzertflügels, gesteuert werden sie per Laptop, und den Pianoklang dicken die Grandbrothers mit Electronica und Percussion an.

Als Geheimtipp sei noch John Grant am 29. Oktober im Schumann-Saal empfohlen. Der fiel 2010 auf, als er sein Album "Queen Of Denmark" mit der umwerfenden Folkband Midlake einspielte. Inzwischen hat er seine beiden Vorlieben, die Ballade und den Elektropop, zu etwas Eigenständigem verbunden. Wie gut das klingt, kann man auf dem Album "Pale Green Ghosts" erleben. Und das noch: Adam Green präsentiert am 30. Oktober im Capitol seinen Film "Aladdin". Macaulay Culkin spielt in der "1001 Nacht"-Adaption mit, und im Anschluss singt Green auch noch. Herrlich.

Quelle: RP
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