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Nicht nur Stullen, Saufen und Kaufen

An und in diesem Lokal ist alles anders: Tagsüber gibt es frische Stullen oder Kuchen und Salate, abends ab 19 Uhr feine Küche.

Gut gelegen? Ganz klar - nein! Das Düsseldorfer U-Restaurant (früher Café Uhlenbusch - daher der Name) ist am Ende der Klosterstraße, Ecke Immermannstraße. Direkt daneben brodelt eine riesige Baustelle, einen Parkplatz zu finden, erfordert Geduld und den kreativen Umgang mit Baustellenschildern. Aber wenn das Umfeld demnächst fertig ist (Kö-Bogen, Martin-Luther-Platz), dann liegt das U-Restaurant 1A. Also: Nur Geduld und am besten schräg gegenüber in den Schadow Arkaden parken. Das sind nur 200 m Fußweg. Gut geschmeckt? Unbedingt. Wir waren mehrfach da, abends und tagsüber. Das zu erwähnen ist deshalb wichtig, weil die Karte radikal wechselt. Denn bei Tageslicht gibt es vor allem - Stullen. Mit Nutella, mit Schinken, mit Käse, mit selbstgemachtem Fruchtaufstrich, mit Lachs (alle zwischen 3,50 und acht Euro) und mit Salat und Pilzen. Wenn's passt, gehört noch Remoulade dazu. Das Ganze auf krossem Roggen-Mischbrot. Dass sich da einer Gedanken gemacht hat, bemerkt man schon beim Werkzeug: Um die feste Kruste des Roggenbrots schneiden zu können, gibt's zur Gabel ein scharfes Steakmesser mit Zacken. Abends ist dann Schluss mit deftig - nun kommt die Stunde des Küchenzauberers Bastian Falkenroth. Der Mann hat u.a. bei Berens am Kai gelernt und begeisterte neulich die Jury bei einem internationalen Koch-Event auf den Britischen Jungfern-Inseln in der Karibik. Wer seine kleinen, feinen Kreationen auf dem Teller sieht und dann am Gaumen spürt, wird schnell merken, warum: Falkenroth geht mit großem handwerklichen Geschick an die Arbeit und zeigt eine verblüffende Kreativität, wenn er Rind, Schwein oder vieles aus dem Meer mit allerlei Gemüse kombiniert - gegrillt, gedünstet, gebraten, mariniert. Überraschend? Das Konzept an sich ist schon sehr kurios, aber es scheint zu funktionieren - nicht zuletzt wegen vieler umliegender Büros. Wer tagsüber in der Mittagspause essen will, schätzt die kleine, schnelle Köstlichkeit für nicht zu viel Geld. Dass im U-Restaurant auch noch Wein verkauft wird (kleine Liste auf der Internet-Seite, die Preise nicht in Euro, sondern in Tacken, Motto "Kaufen und Saufen im Traubenschlag"), ist ebenfalls ungewöhnlich. Wie sich das für ein gutes Café gehört, gibt es auch ein paar Zeitungen - u.a. die Rheinische Post und den Playboy. Leider hat man die manchmal üblichen Lesebrillen nicht parat. So wurde nichts daraus, im Playboy die Witze zu lesen.

Den Preis wert? Ja, aber das U-Restaurant ist nicht billig - ein Zweigang-Menü nach Wahl aus der Karte kostet 36, mit drei Gängen 49 Euro. Wer sich dem Chef anvertraut und ein Menü Chef's Choice nimmt, zahlt für sechs Gänge 69, für acht 89 Euro. Die Portionen sind sehr klein, was dem Gast die Möglichkeit bietet, sehr viel zu testen. Oder andersherum gesagt: Zwei Gänge sind eindeutig nur was für den kleinen Hunger.

Gut bedient? Netter Service, man duzt sich - kompetent, unaufdringlich. Fazit: Bewundernder Gruß an die Küche, außerhalb von Sterne-Restaurants selten eine solche Kombi von Handwerk und Kreativität erlebt. Schön wären Lesebrillen - nicht nur für die Witze im Playboy.

INFO U. -Das Restaurant, Klosterstraße 34, 40211 Düsseldorf, Telefon: 0211 / 91 33 69 92, Öffnungszeiten: Di. bis Sa. 19 bis 23 Uhr, www.u-dasrestaurant.de; über die Internetseite ist eine Online-Reservierung möglich

Quelle: RP
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