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Optische Täuschung
Dieses Gitter nervt die Augen

Düsseldorf. Auf den ersten Blick erscheint das Bild unspektakulär. Doch plötzlich tauchen kleine schwarze Punkte in dem Gitter auf. Wer sie zählen will, scheitert, denn die Punkte verschwinden nach und nach. Zauberei? Hinter der optischen Täuschung steckt eine simple Erklärung. Von Marcel Romahn

Insgesamt sind zwölf schwarze Punkte zwischen den Streben des Gitternetzes versteckt. Sie alle gleichzeitig zu erfassen, ist für die meisten Menschen unmöglich, wie Akiyoshi Kitaoka, Professor der Ritsumeikan-Universität im japanischen Kyoto anmerkt. Zehntausende Menschen beißen sich derzeit an seinem Facebook-Post die Zähne aus und jagen die kleinen Punkte vergeblich.

Das Bild, das sich derzeit über die sozialen Netzwerke verbreitet, ist eine Abwandlung des "Hermann-Gitters" (Bild unten), benannt nach dem deutschen Wissenschaftler Ludimar Hermann, der das Original im Jahr 1870 veröffentlicht hat. Auch in diesem Gitternetz glaubt der Betrachter, im Schnittpunkt der grauen Linien schwarze Punkte zu sehen. Der Betrachter kann sich nicht dauerhaft auf die Illusion einstellen.

Das Facebook-Bild stammt aus einem Sammelwerk der Wissenschaftler Jacques Ninio und Kent Stevens, die im Jahr 2000 verschiedene Varianten dieses Motivs entwickelt und veröffentlicht haben. Der Effekt funktioniere auch im umgekehrten Kontrast (schwarzes Gitter, graue oder weiße Punkte). Die optische Täuschung diente den Forschern als Grundlage für ihre Studie des menschlichen Auges.

Erklärungsversuch aus der Wissenschaft

Das Hermann-Gitter sowie etliche Abwandlungen finden sich heute in nahezu jedem Physiologie-Lehrbuch. Bei dem verwirrenden Effekt auf den Betrachter sprechen Forscher von einer Kontrasttäuschung. Denn der Unterschied zwischen Schwarz und Weiß kann vom Auge in dieser Darstellung nicht ausreichend präzise erfasst werden.

"Laterale Hemmung" wird das Phänomen in der Forschung genannt. Dabei geht es um die Verarbeitung benachbarter (lateraler) hemmender Signale. Diese Signale senken die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Nervenimpulsen, die nötig sind, damit das Auge ein Bild klar erfassen kann.

Die Punkte oder die grauen Flecken sind bereits seit mehr als 140 Jahren ein viel diskutiertes Forschungsphänomen. Die Theorien und Publikationen dazu sind zahlreich. Der Betrachter, der sich beim Anblick des Bildes, die Haare rauft, ist also nicht allein.

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