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Prominente Todesfälle
Der Tod kommt gern im Februar

Prominente Todesfälle 2016: Der Tod kommt gern im Februar
"Es ist, als stelle sich da oben jemand gerade eine geile Band zusammen", schrieb Comedian Carolin Kebekus. Musiker Prince starb am 21. April. FOTO: afp
Düsseldorf. Im Winter ist das Sterberisiko höher als in den anderen Monaten. Das hat vor allem mit dem Wetter und der Witterung zu tun. Von Wolfram Goertz

Wir befinden uns in harten Zeiten. Erst stirbt Lenny Kilmister, dann David Bowie, dann Roger Cicero, kürzlich Prince, soeben Wolfgang "Wölli" Rohde. Das sei ja wie ein Staffellauf, sagte neulich ein Kollege. Drastischer formulierte es Comedian Carolin Kebekus: "Es ist, als stelle sich da oben jemand gerade eine geile Band zusammen."

Bei statistischer Sicht der Dinge fällt auf, dass die Häufung prominenter Todesfälle in den vergangenen Wochen nicht von ungefähr kommt. Schon immer ahnte der Volksmund, dass der Winter die Zeit des Sterbens ist, auch im menschlichen Alltag. Die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache: Zwischen November und April wird mehr gestorben als zu anderen Jahreszeiten.

Je nach Monat ist das Sterberisiko unterschiedlich hoch

Dieses Aspekt hat sich das Bestatter-Portal Bestattungen.de noch einmal angenommen und die Werte neu spezifiziert. 2010 starben in Deutschland 859.000 Menschen. Je nach Monat ist das Sterberisiko jedoch unterschiedlich hoch. Auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes führte Bestattungen.de eine Untersuchung durch, wie hoch das Sterberisiko für die einzelnen Monate ist. Berücksichtigt wurden Daten von 1990 bis 2010.

In der Untersuchung wurde ermittelt, wie viele Sterbefälle an wie wie viel Tagen in den jeweiligen Monaten des Untersuchungszeitraumes aufgetreten sind. Die Anzahl der Tage ist wichtig, denn so konnten Verzerrungen ausgeschlossen werden, weil der Februar in der Regel nur 28 Tage hat, der Dezember, Januar oder März aber 31. Im Ergebnis zeigten sich teilweise starke Abweichung im Vergleich der einzelnen Monate. Tatsächlich muss man von einem saisonal erhöhten Sterberisiko sprechen: In den wärmeren Monaten des Jahres sterben durchschnittlich weniger Menschen als in den Wintermonaten. Das zeigt sich über alle untersuchten Jahre.

"Ich mach mich vom Acker" - Skurrile Todesanzeigen FOTO: Verlag Kiepenheuer & Witsch

Der Februar ist der Monat mit der höchsten Sterberate, diese liegt 9,7 Prozent über dem Durchschnitt. Im Januar wurde die zweithöchste Sterberate verzeichnet (9,3 Prozent über dem Durchschnitt). Auf Platz drei der Sterberate liegt der März (7,6). Am wenigsten gestorben wird dagegen im August: Die Sterberate liegt dann 7,1 Prozent unter dem Durchschnitt, gefolgt vom September mit 7,0 Prozent und dem Juli mit 5,7 Prozent.

Warum ist das so?

Es hat nicht wenig mit dem Wetter und der Witterung zu tun, und die ist im Winter und seinen Frühjahrsnachzüglern, die wir soeben erleben, ungünstiger als etwa im August. Feuchtkalte Luft erhöht stets das Risiko, dass sich Vorerkrankungen verschlimmern. Atemwegsleiden spitzen sich in den Wintermonaten zu; Tote durch Grippefälle sind nicht selten. Auch Herzinfarkte können durch das Wetter ausgelöst werden: Kälte stellt Gefäße eng, und wer sowieso schon an einer koronaren Herzkrankheit leidet, packt sich irgendwann beim Schneeschippen ein letztes Mal an die Brust.

Von diesen Menschen nahmen wir 2016 Abschied FOTO: rtr, MA/ML/HD

Psychologische Faktoren haben ebenfalls einen großen Einfluss auf das Sterberisiko. Durch ein psychologisches Ungleichgewicht kann der Organismus zusätzlich geschwächt werden. So lässt der Mangel an Tageslicht bei manchen Menschen eine sogenannte Winterdepression entstehen, die auch als saisonal-affektive Störung bezeichnet wird. Dieser Lichtmangel erhöht den Melatonin-Spiegel im Blut; Melatonin ist ein Hormon, das bei erhöhter Konzentration zu Müdigkeit und zu einer Winterdepression führen kann. Gleichzeitig sinkt bei Lichtmangel der Serotonin-Spiegel. Ein Mangel dieses Gewebshormons, im Volksmund als "Glückshormon" bezeichnet, wird von Medizinern ebenfalls mit der Entstehung von Depressionen in Verbindung gebracht. Die Zahl der Selbstmorde ist im Winter höher als im Sommer.

Zahl der tödlichen Unfälle im Straßenverkehr nimmt im Winter ab

Unfälle durch Schnee und Glätte fallen hingegen kaum ins Gewicht. Die Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass die Zahl der tödlichen Unfälle im Straßenverkehr im Winter abnimmt. So starben im August 2011 beispielsweise 380 Menschen an Verkehrsunfällen, während im Januar nur 241 Menschen (37 Prozent weniger) ums Leben kamen.

Unter diesen obwaltenden Umständen ist der in diesen Tagen und Wochen gehäufte Abschied von musikalischen Granden zwar überaus betrüblich, statistisch aber regelkonform. Allerdings besteht Hoffnung: Der April ist gewiss launisch und erinnert uns daran, dass wir uns noch in harten Zeiten befinden, aber bald wir sind aus dem Gröbsten raus. Nur noch vier Monate bis August.

Quelle: RP
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