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Punk und Liebe: die neue Platte der Savages

Rock Vor zwei Jahren veröffentlichte das britische Frauen-Quartett Savages sein Debüt-Album, und "Silence Yourself" war umwerfend. Die Vorbilder der Gruppe hörte man eindeutig heraus, Joy Division vor allem, Wire und Siouxsie And The Banshees. Die Einflüsse aus dem Postpunk wurden indes derart vital mit dem Zeitgeist verrührt, dass das wie etwas Neues klang, auf jeden Fall sehr entschlossen und manchmal auch ziemlich brutal.

Ebenso wichtig wie die Musik war den Savages das Drumherum, die Botschaft. Sie traten stets schwarz gekleidet auf, sie schauten ernst, und auf Konzerten verboten sie Handys und Kameras, weil sie nach "better ways of living and experiencing music" suchten, wie sie auf Plakaten verkünden ließen. Auf die Vorderseite der Album-Hülle druckten sie ein Manifest: Die Welt müsse ein besserer Ort werden, forderten sie - und sie haben ja Recht. Nun erscheint die Nachfolgeplatte, "Adore Life" heißt sie, und sie ist wärmer und differenzierter, nicht mehr so wütend und bitter, aber ebenfalls gelungen.

Es herrscht eine düstere Atmosphäre, da brodelt etwas, da ist viel Energie, und die sucht einen Stromabnehmer. "The Answer" klingt zur Eröffnung noch wie früher, "Evil" pulsiert und groovt wie ein Disco-Stück. Die großartigsten Songs aber sind die langsamen und doch ruhelosen, die dräuenden. "Slowing Down The World" etwa und unbedingt "Adore", das an P.J. Harvey erinnert und am Ende so unter Spannung steht, dass es explodiert und man nur mehr Sternenstaub sieht.

Sängerin Jehnny Beth singt von der Liebe, sie singt tatsächlich, sie spuckt einem die Verse nicht mehr bloß vor die Füße, sondern gesteht, bekennt und vertraut an: "I adore life". Es geht überhaupt nur um Liebe auf dieser Platte, die dunkle Seite der Liebe natürlich, es ist alles nicht so einfach mit den Männern und den Frauen, und wenn hier geküsst wird, dann mit der Faust in der Tasche der Lederjacke. Das letzte Stück heißt "Mechanics", es besteht aus Rückkopplungen, Echo und Hall.

Beth singt, sie würde die Mechanismen der Zuneigung gern verstehen, aber da ist keiner, der ihr die Hand reicht. Ein wüstes und total schönes Ende. Philipp Holstein

Quelle: RP
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