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Sensation in Rheinland-Pfalz
Schatzsucher findet millionenschweren "Barbarenschatz"

Schatzsucher findet millionenschweren "Barbarenschatz" in Rheinland-Pfalz
Schatzsucher findet millionenschweren "Barbarenschatz" in Rheinland-Pfalz FOTO: dpa, ts fdt
Mainz. Einen wertvollen Gold- und Silberschatz aus spätrömischer Zeit hat ein Schatzsucher im Wald in Rheinland-Pfalz ausgegraben. Das berichteten die Behörden am Dienstag. Archäologen sprachen in Mainz von einem bundesweit einmaligen Fund.

Der Wert der antiken Stücke liege bei weit mehr als einer Million Euro. Sie präsentierten goldene Verzierungen eines Gewands, einen Silberteller, eine Silberschale sowie Reste eines vergoldeten und versilberten Klappstuhls. Gefunden habe den "Barbarenschatz" ein sogenannter Raubgräber, der illegal ohne Genehmigung unterwegs war. Der Mann habe den Fundort im Wald bei Rülzheim bei seinen Grabungen zerstört.

Die Römer nannten andere Völker Barbaren, daher stammt die Bezeichnung "Barbarenschatz". Gegen den Mann laufen nach Auskunft der Archäologen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankenthal. Welcher Vorwurf dem Mann genau gemacht wird, wurde aber nicht mitgeteilt.

Die Landesarchäologie wollte auch nicht mitteilen, wie sie an die Fundstücke gelangte. Der Leiter ihrer Außenstelle Speyer, Ulrich Himmelmann, sagte nur: "Der Raubgräber hat sie selbst übergeben - allerdings unter dem Druck der Ermittlungen." Gegen den Mann werde wegen mehrerer ähnlicher Delikte ermittelt.

Landesarchäologe Axel von Berg sagte, der Fund sei deutschlandweit einmalig, was die Art und das Alter des Schatzes betreffe. Die Fundstücke stammten vermutlich aus dem 5. Jahrhundert nach Christi. Sie dürften demnach einem sehr hohen Beamten oder einem Fürsten gehört haben. Klappstuhl, Gewand und Silbergeschirr sollten wohl politische Autorität widerspiegeln.

Plündernde Germanen drangen seinerzeit ins Römische Reich ein, das bereits in Auflösung war. Der Schatz sei neben einer einstigen Römerstraße von seinem Eigentümer oder von damaligen Räubern in nur einem halben Meter Tiefe vermutlich hastig vergraben worden, sagte von Berg. "Dann konnte er wohl nicht mehr geborgen werden. Die römischen Straßen waren gefährlich."

Die rheinland-pfälzische Kulturministerin Doris Ahnen (SPD) kündigte an: "Wir werden die Funde bald in Mainz und in Speyer in einer Ausstellung präsentieren."

Von Berg erklärte, in Deutschland seien Tausende von Hobby-Archäologen mit Metallsonden unterwegs. Manche suchten etwas für das eigene Wohnzimmer, während andere ihre Funde illegal verkauften. Der Experte sagte, auch bei dem "Barbarenschatz" bestehe der Verdacht, "dass ein Teil schon verkauft worden ist". Die Suche mit einem Metalldetektor sei in Rheinland-Pfalz eine Ordnungswidrigkeit, die Entnahme archäologischer Funde ein Eigentumsdelikt, deren unterlassenes Melden eine Unterschlagung und ein Verkauf Hehlerei.

Landes-Ministerin Ahnen sagte: "Durch derartige Raubgräberei entsteht großer Schaden. Nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Allgemeinheit."

Spektakuläre Funde in der Vergangenheit

In Sachsen-Anhalt fanden Raubgräber 1999 als Teil eines Schatzes aus der Bronzezeit die 3600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra. Die Schweizer Polizei stellte die weltweit älteste bekannte, konkrete Darstellung astronomischer Phänomene 2002 sicher. Seit 2008 ist die bei der Raubgrabung und durch Hehler beschädigte Scheibe im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale zu sehen.

Den Berliner Goldhut erwarb das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte 1996 auf dem internationalen Kunstmarkt als "Fund ohne Fundort". Der vermutlich aus einer Raubgrabung in Süddeutschland stammende Sonnenkalender-Kegel aus der Bronzezeit ist rund 3000 Jahre alt und wird heute im Neuen Museum ausgestellt.

1990 entdeckte ein Mann am bayerischen Ammersee keltische Goldmünzen und verkaufte sie illegal für rund 50.000 Euro. Mit dem Geld verschwand er in die Karibik. Denkmalschützer kamen ihm auf die Spur, weil er in einer Fachzeitschrift stolz über den Fund berichtete.

Rechtliche Grauzone

Raubgrabungen sind in Deutschland illegal: Die Suche nach archäologischen Funden ist ohne Erlaubnis der Denkmalbehörde grundsätzlich verboten. Verkaufen Schatzsucher ihre Funde, kann auch wegen Unterschlagung und Hehlerei ermittelt werden.

- Unsicher ist die Rechtslage bei Zufallsfunden. Einige Bundesländer sichern dem Finder per Gesetz die Hälfte des Schatzes zu.

- Nach Expertenschätzung plündern bis zu 30.000 Hobby-Archäologen mit Metallsonden antike Stätten in Deutschland.

- Je nach Gerät und Bodenbeschaffenheit können sie Münzen, Waffen und andere Metallobjekte in bis zu 1,50 Meter Tiefe aufspüren.

- Der Schaden für die Forschung gilt als unermesslich. Oft verhindert laienhaftes Buddeln wissenschaftliche Erkenntnisse, Artefakte werden beschädigt oder verschwinden in Privatsammlungen.

 

(dpa)
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