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Zehn statt zwei
Schnabeltiere haben die meisten Geschlechts-Chromosomen

London (rpo). Geparden laufen schnell, Giraffen haben lange Hälse und Elefanten die größten Ohren. Soweit ein paar bekanntere Rekorde aus der Tierwelt. Dass sich auch ein eher unspektakulär anmutendes Tier zu den Rekordhaltern zählen darf, haben jetzt australische Forscher bewiesen: Das Schnabeltier hat nach Medienberichten von allen Säugetieren die meisten Geschlechtschromosomen.

So haben die Schnabeltiermännchen fünf X- und fünf Y-Chromosomen, bei Weibchen sind es zehn X-Chromosomen. Die meisten Säugetiere und auch der Mensch beschränken sich hingegen auf nur zwei Geschlechtschromosomen. Das fanden Frank Grützner von der Australischen Nationaluniversität in Canberra und seine Kollegen heraus, wie der Online-Dienst des Wissenschaftsmagazins "New Scientist" berichtet.

Die Forscher färbten die Geschlechtschromosomen des Schnabeltiers mit fluoreszierenden Markern ein, um sie unter dem Mikroskop genauer zu untersuchen. Die Spermien der männlichen Schnabeltiere enthalten entweder nur fünf X-Chromosomen, wodurch bei der Befruchtung ein Weibchen entsteht, oder nur fünf Y-Chromosomen, aus denen männlicher Nachwuchs hervorgeht, fanden die Wissenschaftler heraus. Welches der jeweils fünf Geschlechtschromosomen ein oder mehrere geschlechtsbestimmende Gene enthält, ist dabei noch unklar.

Zwischen Säugetier und Vogel

Das größte X-Chromosom liegt am Ende der Chromosomenkette und ähnelt dem menschlichen X-Chromosom. Das Chromosom am anderen Ende der Kette ähnelt hingegen dem Z-Chromosom der Vögel. Die Ursäugetiere könnten daher ein ähnliches System der Geschlechtschromosomen entwickelt haben wie die Vögel, vermuten die Forscher. Bisher nahm man an, dass beide Systeme unabhängig voneinander entstanden, nachdem sich die beiden Wirbeltierklassen vor 300 Millionen Jahren trennten.

Bei den meisten Säugtieren, der Mensch mit eingeschlossen, wird das Geschlecht durch das X- und das Y-Chromosomen bestimmt. Kommen zwei X-Chromosomen zusammen, entsteht ein Weibchen, bei einem X- und einem Y-Chromosom entsteht ein Männchen. Für Vögel gilt das Gleiche, nur lauten hier die Chromosomen Z und W. Sehr wenige Ausnahmen zeigen, dass es auch anders geht. So verfügt der schwarze Brüllaffe über vier Geschlechtschromosomen.

Die Schnabeltiere gelten als lebende Fossilien und gehören zu den Säugetieren. Sie legen Eier und produzieren Muttermilch für ihre Nachkommen. Ihre Füße und ihr Schnabel, dem sie ihren Namen verdanken, ähneln eher einem Vogel, ihr Skelett hingegen weist Merkmale von Reptilien auf.

(afp)
 
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