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Zehn Gemeinden in NRW
Die Sikhs - wer ist das überhaupt?

Terror-Anschlag: Explosion auf Sikh-Hochzeit in Essen
Terror-Anschlag: Explosion auf Sikh-Hochzeit in Essen FOTO: ap
Essen. War der Anschlag auf das Gebetshaus der Sikhs in Essen in Wahrheit ein Versehen? Ermittler halten es für möglich, dass die Bombe eigentlich Hindus galt. Doch auch die Sikh-Religion bietet Anhaltspunkte für ein Motiv.

Die Bluttat ereignete sich am Samstag nach einer indischen Hochzeit im Gebetshaus der Sikh in Essen. Zwei 16-jährige Salafisten stehen im Verdacht, eine Bombe gezündet zu haben. "Wir müssen von einem Terrorakt ausgehen, von religiös eingefärbtem Terror der islamistischen Szene", sagte Essens Polizeipräsident Frank Richter. 

Warum ausgerechnet die Religionsgemeinschaft das Ziel war, ist noch unklar. Aus Sicherheitskreisen hieß es, möglicherweise hätten die Täter Sikhs mit Hindus verwechselt.

Dass Islamisten aber auch der Glaube der Sikh ein Dorn im Auge gewesen sein könnte, zeigt ein Blick in die Geschichte der Sikh.

Sikhs sind streng gläubige Anhänger einer monotheistischen religiösen Reformbewegung, die im 15. Jahrhundert in Nordindien entstand. Die Religion wurde von dem Wanderprediger Guru Nanak (1469-1538) begründet. Er versuchte, mit der neuen Religion eine Verbindung zwischen Hinduismus und Islam zu schaffen – indem er die positiven Eigenschaften beider Religionen vereinen wollte. Seine Ansicht: Es gibt keine Hindus, es gibt keine Muslime, es gibt nur Menschen.

Grundsatz der Toleranz

Für die Sikhs gilt der Grundsatz der Toleranz gegenüber anderen Religionen sowie die Gleichberechtigung aller Menschen und Geschlechter. Das nahmen ihm traditionsbewusste Muslime und Hindus übel. Gott selbst gilt als geschlechtslos.

Gläubige Sikhs leben nach strengen Vorschriften: Nikotin und Alkohol sind verboten, ebenso Ehebruch und sexuelle Beziehungen vor der Ehe. Zu den Kennzeichen eines Gläubigen gehören unter anderem das ungeschnittene Haar mit Turban, ein kleines Schwert und ein stählernes Armband. Immer wieder wurden sie aufgrund ihrer äußeren Erscheinung mit Muslimen verwechselt.

Weltweit gibt es rund 27 Millionen Sikhs, die meisten davon in Indien. In Deutschland leben nach unterschiedlichen Angaben zwischen 8000 und 15.000 Sikhs. Die Anhänger unterhalten in Deutschland zahlreiche Gemeindezentren, Gurdwara genannt. In Nordrhein-Westfalen gibt es zehn Sikh-Gemeinden. Die Sikh-Gemeinde in Essen zählt mit mehreren hundert Mitgliedern zu den großen in Nordrhein-Westfalen.

(das/lnw)
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