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14. Schumannfest
Stars für Schumann

Dem Komponisten Robert Schumann ist im Mai und Juni in Düsseldorf wieder ein eigenes Festival gewidmet. Viele namhafte Künstler wirken mit, darunter András Schiff und Gidon Kremer. Von Armin Kaumanns

Dass Wetterfee Claudia Kleinert ein Programmpunkt beim 14. Schumannfest sein wird, hat nichts mit dem Festival-Wetter zu tun. Wahrscheinlich jedenfalls. Schon eher mit dem Thema Romantik, das sich in diesem speziellen Fall um ein - im weitesten Sinne - Wetterphänomen rankt. Denn die Macher des Schumannfestes haben den Ausbruch des Vulkans Tambora im Jahre 1815 und das "Jahr ohne Sommer" im Mitteleuropa des folgenden Jahres als eine Art Keimzelle der Epoche der Romantik ausgemacht. Die Aschewolken der gigantischen Explosion am anderen Ende der Welt vernebelten die Sonne, hierzulande verdarb die Ernte, Tausende Menschen verhungerten, andere machten sich aus Deutschland als Flüchtlinge auf in die Nachbarländer.

Schumann war damals erst sechs, dem Dichter Lord Byron verhagelte es jedoch den Urlaub am Genfer See, woraufhin er, in einer Art Wettstreit der Düsterkeiten mit der Kollegin Mary Shelley ("Frankenstein"), das grandios sinistre Gedicht "Darkness" schrieb, das wie ein Motto über dem 14. Schumannfest prangt. Apokalyptische Visionen, Vampirgeschichten hatten vor 200 Jahren Hochkonjunktur, Caspar David Friedrich und William Turner bannten die in Folge der Umweltkatastrophe grandiosen Farbspiele nebelverhangener Sonnenuntergänge in Öl auf Leinwand. Die Romantik war geboren. Kleinert wird das dazugehörige Wetter erklären.

Auch wenn man sich in unseren Tagen vor Festivals kaum retten kann, so besteht doch offenbar in der Landeshauptstadt ein breites Interesse am Schumannfest. Der Etat von rund 900.000 Euro setzt sich in 2016, so Intendant Michael Becker, aus großen und kleinen Beträgen von Land, Kulturstiftung NRW und meist langjährig aktiven Sponsoren zusammen. Die Stadt tut 2016 fast so viel dazu wie in besten Schumannfestzeiten. Einer der Sponsoren, die Unternehmensberater Warth & Klein, unterstützt nicht nur das Gastspiel des Ausnahme-Pianisten András Schiff, sondern hat seine zwei Neubauten am Stammsitz an der Johannstraße Robert und Clara getauft - als Reverenz an die Schumannstadt. "Das ist kein Festival zum Schaulaufen der oberen Zehntausend, eher ein Identifikationsraum für die ganze Stadt. Und dazu, wir vergleichen uns gern mit dem Bonner Beethovenfest, geradezu sparsam", sagt Becker.

Neben den großen Namen - außer András Schiff kommen unter vielen anderen Gidon Kremer, die Academy of St. Martin in the Fields, das Artemis Quartett, Martina Gedeck, Dominik Horwitz, die aufs Festival zugeschnittene Programme mitbringen -, geben eigene Produktionen dem Schumannfest sein unverwechselbares Gesicht. Wieder ist Schloss Benrath Ort einer Klang- und Lichtinszenierung des Titels "Darkness1816", zu dem zum Konzept von Beate Schüler der Licht-Künstler Klaus Grünberg und der Sound-Artist Werner Cee Räume des Schlosses und den Spiegelteich als grandiosen Sonnenuntergang in apokalyptischen Klängen inszenieren. Vor zwei Jahren war die Installation zum Thema Wald der Renner des Festivals. Karten für die auf kleine Besuchergruppen begrenzten Rundgänge dürften schnell knapp werden (zum Eröffnungskonzert gibt es kaum noch welche).

"Das Jahr ohne Sommer" heißt das "begehbare Musiktheater", das das Theater Kontra-Punkt im Boui Boui Bilk anrichtet, auf Musik des Posaunisten und Komponisten Simon Wills, die er zu Lord Byrons "Darkness" schrieb. Mit im Boot ist diesmal auch die International School on the Rhine, die ein fächerübergreifendes interaktives Ausstellungsprojekt zum Thema 1816 in Schloss Benrath präsentieren wird. Ob dazu der Schulbus bis vors Schloss fahren darf, ist zurzeit noch ebenso ungeklärt wie viele andere Details der Installationen. Es ist ja noch ein Monat Zeit bis zum Eröffnungskonzert mit anschließendem japanischen Feuerwerk am 21. Mai.

Fertig ist jedoch das Festivalheft, das jede Menge Interviews, Hintergründe und Lord Byrons "Dark-ness" abdruckt. Auch Süßes gibt's zum Schumannfest: In Tütchen mit dem Motto "Romantisiere Dich!" stecken Gummibärchen.

Quelle: RP
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