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Suiten auf der Themse: Händels "Wassermusik"

Klassik Die Musikgeschichte ist voller köstlicher, aber auch unerfreulicher Erzählungen, wie sich die Obrigkeit gegenüber Komponisten verhält. Manche Tonsetzer wurden gehätschelt, manche geschurigelt, es gab zutiefst hässliche, menschenverachtende Zeiten, etwa unter Hitler und Stalin, doch auch Momente voller Licht und Wärme. Heute beschäftigen wir uns mit einer wundervollen Episode aus dem früheren London und zitieren hierzu den Daily Courant vom 19.

Juli 1717: "Am Mittwochabend begab sich der König in einer offenen Barke auf eine Bootsfahrt. Und sie fuhren flussaufwärts nach Chelsea. Viele andere Boote mit Personen hohen Ranges folgten, und so bedeckte diese große Anzahl von Booten den ganzen Fluss. In einem Schiff der Stadtgilde spielten die Musiker, die über 50 Instrumente jeglicher Art verfügten. Sie spielten den ganzen Weg die schönsten, für diesen Anlass von Mr. Händel komponierten Sinfonien, welche Seiner Majestät derart gefielen, dass sie auf dem Hin- und Rückweg dreimal wiederholt werden mussten.

" Wir stellen uns das von Chris Howland gelesen vor und seufzen: Gern wären wir dabei gewesen. Händels "Wassermusik" ist eine Musik, die auch jenseits der Themse und jenseits hochherrschaftlicher Arrangements Erbauung und Tiefgang spendet. Es handelt sich um drei Suiten, von denen aber nur die zweite nachweislich auf der Themse erklang. Damals waren knapp 50 Musiker im Einsatz, damit auch am Ufer noch etwas von den Klängen zu hören war.

Die beiden anderen Suiten sind diskreter besetzt, beinahe lauschiger; jede ist reich an Kostbarkeiten. Vollends gekitzelt werden die Schönheiten dieser Musik nun von der Akademie für Alte Musik Berlin, die eine traumhaft schöne Neuaufnahme der kompletten "Water Music " vorgelegt hat (erschienen bei Harmonia mundi). Dieses Musizieren hat pralle Lebenslust und doch eine unendliche Nuancierung im Detail, so dass man beim Hören begeistert sagen kann: Die Musik atmet, sie entführt unsere Vorstellung direkt in die Natur - und die historischen Instrument tönen dermaßen saftig, plastisch, dass es das reine Vergnügen ist.

Wolfram Goertz

Quelle: RP
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