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"The Joshua Tree" von U2 feiert Jubiläum

Rock Jetzt feiert diese Platte ihren 30. Geburtstag, so lange ist das schon her, und das größte Stück ist natürlich "With Or Without You". Es ist ja im Grunde bloß ein Ausatmen, aber was für eines, Bono haucht seinem Album die Seele ein. "The Joshua Tree" von U2 ist gerade in einer Deluxe-Ausgabe neu herausgebracht worden, und tatsächlich liegt auf diesem Album kiloweise von diesem wunderbaren Schmelz, dessen Ingredienzien man im Labor nur zum Teil bestimmen kann: Sehnsucht ist drin, Revolution, Wut, Jugend, Wehmut, Schmerz, Großkotzigkeit, Gitarre.

Als "The Joshua Tree" 1987 erschien, war Bono noch nicht die bunt verglaste Mutter Teresa des Stadionrock, sondern näher an seiner Existenz als Tankwart, die er bis zum Ende der 70 Jahre unter dem Namen Paul Hewson in Dublin geführt hatte. Bono suchte noch nach seiner Bestimmung, und die Leidenschaft, mit der er strebte und fehlte und drängte und irrte, hört man dem Album an. Bono inszenierte sich nicht mehr wie noch auf den Vorgänger-Alben als Outlaw, sondern als Hilfs-Prediger mit marmorschweren Botschaften.

Es war diese Mischung aus großer Geste und jeansblauer Arglosigkeit, die Sympathie weckte - und von Frank Sinatra 1987 grandios aufs Korn genommen wurde. Die Band besuchte damals seine Show in Las Vegas. Sinatra entdeckte sie, ließ sie aufstehen, und als die Scheinwerfer auf sie gerichtet waren, sagte er: "Seht nur, das sind U2. Nummer eins in Amerika, aber keinen Cent für Kleidung ausgegeben." Musikalisch stehlen U2 für "The Joshua Tree" bei Dylan, den Doors, bei Otis Redding; sie schütten ordentlich Blues hinzu und mehr als eine Messerspitze von der geheimnisvollen Gewürzmischung für historische Wirkung.

Textlich geht es ums Ganze: Amerika, Glaube, Leben und Tod - alles kommt vor. Genau genommen ist die mit Produzentenlegende Brian Eno in einem Haus bei Dublin eingespielte Platte ein Pilgerweg, der mit dem Intro von "Where The Streets Have No Name" beginnt. Ein Marsch auf endlosen Wüstenstraßen - musikalisch nachempfunden. "The Joshua Tree" ist der Beweis, dass Bono ein Genie war. Philipp Holstein

Quelle: RP
 
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