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Würzburg
Uni Würzburg untersucht Wagners Gedankenwelt
Würzburg. Der Komponist unterschied in Dichtung und Schriften.

Würzburger Forscher sind der nichtmusikalischen Schöpfung des Komponisten Richard Wagner auf der Spur: In der Mainstadt werden in einem Großprojekt hunderte seiner Schriften für ein Editionsprojekt aufbereitet. Unter der Leitung des Musikwissenschaftlers Ulrich Konrad wollen sie in den kommenden 16 Jahren rund 170 Schriften Wagners bearbeiten und veröffentlichen. Dabei werden sie etwa 4100 Seiten durchforsten. Konrad arbeitet seit mehr als 20 Jahren zum Thema Wagner. Auch Briefe Wagners werden in Würzburg editiert. "Wir betreuen damit alles, was Wagner außerhalb seiner Musik hinterlassen hat", sagte Konrad vom Institut für Musikforschung.

Wagner selbst habe seine Arbeiten fein säuberlich in "Dichtungen" und "Schriften" unterschieden. Während die Dichtungen sein musikalisches Werk enthalten, hat er sich in seinen Schriften zu Themen wie Musik, Gesellschaft, Philosophie und tagespolitischen Fragen schriftstellerisch geäußert. "Es gibt dabei eine sehr große Vielfalt bei den unterschiedlichen Formen. Von der kleinen Glosse bis zum umfangreichen Brief und der mehrseitigen Abhandlung – die Breite ist das ins Auge stechendste Merkmal dieses Schriftenkorpus'", sagte Konrad weiter. So finden sich darunter auch ausführliche Kommentare zu seinem eigenen Werk sowie gelegentlich Musikkritiken.

Das Editionsprojekt soll sich dadurch auszeichnen, dass es Forschungen aus Musik-, Geschichts- und Literaturwissenschaft sowie Ästhetik und Kulturgeschichte zusammenführt. Zudem soll es multimedial in die Öffentlichkeit gebracht werden. So wird der ausführliche Kommentar zu Wagners Schriften auf eine Internetplattform ausgelagert. "Notenbeispiele als Audiodatei, Noten von einzelnen Werken – wir wollen ein Datendepot schaffen", sagt Konrad. In den ersten Jahren werde es vor allem darum gehen, "auf der ganzen Welt Material zu den Schriften Wagners zu finden – und zwar von Wagner selbst." Das könnten Druckfahnen, Manuskripte und Kommentare sein. Nur so könne das Institut dem Anspruch an eine historisch-kritische Ausgabe gerecht werden. "Der zweite Schritt ist, dass wir das Wort für Wort und Zeile für Zeile auf die Bedeutung hin abklopfen."

Quelle: dpa
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