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Weltbürger am Klavier: Paul Badura-Skoda

Klassik Im Alphabet tauchen die beiden eingedeutschten Fremdwörter für übermächtige Leitsterne, für Lichtgestalten, für Wegweiser und Leuchttürme gleich hintereinander auf: Instanz und Institution. So kann man im Bereich der Klaviermusik den österreichischen Pianisten Paul Badura-Skoda bezeichnen. Er wurde im Jahr 1927 geboren und ist gottlob noch so lebendig und vergnügt, dass er vor einigen Tagen vor seinem 90. Geburtstag einen restlos ausverkauften Klavierabend im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins gab.

Und was spielte er? Die drei letzten Beethoven-Sonaten. Mit 90! Paul Badura-Skoda war und ist einer, der sich im Schatten berühmterer Kollegen sehr gut eingerichtet hat. Er war halt nicht so telegen wie andere, er hatte keine riesige Plattenfirma im Hintergrund, er betrieb sehr gern musikwissenschaftliche Studien - und da sein Repertoire vor allem aus Werken seiner Lieblingsmeister Haydn, Mozart, Schubert und Beethoven bestand, fehlte bei seinen Konzert manchmal der Aspekt des Thrillers, des Nervenkitzels, des Hochleistungssports.

Gewiss, er hat die großen Klavierkonzerte von Chopin und Tschaikowski aufgenommen, er war auch ein exzellenter Schumann-Interpret, doch wenn er die Wahl hatte, beschäftigte er sich mit der Musik, bei der er sich am besten auskannte: der Wiener Klassik. Diese Zuneigung hat nicht nur geografische, sondern auch biografische Gründe: Der Pianist ist seit 66 Jahren mit der Musikwissenschaftlerin Eva Badura-Skoda verheiratet, die auf Wiener Klassik spezialisiert ist.

Jetzt hat die Sony zwei wichtige Boxen von Paul Badura-Skoda, die früher bei Eurodisc erschienen waren, in neuer Auflage auf den Markt gebracht: die Gesamtaufnahmen der Klaviersonaten von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert. Badura-Skoda ist auch hier nicht der Protagonist des Spektakulären, doch ist seine Art, Musik zu erzählen, wunderbar ebenmäßig, stilsicher, frei von Eitelkeiten. Er schält sozusagen den Kern jedes Stücks heraus; seine pianistische Kompetenz tritt nie in den Vordergrund, sondern bleibt eine hilfreiche Dienerin auf dem Weg, die Wunder zweier Weltmeister zu ergründen.

Wolfram Goertz

Quelle: RP
 
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