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Riesiger Asteroid rast an der Erde vorbei
"Ein Einschlag wäre eine kontinentale Katastrophe"

Asteroid TB145 rast Halloween an der Erde vorbei
Auf dieser Grafik ist zu sehen, wie der Asteroid an der Erde vorbeifliegen wird. FOTO: dpa, lof
Düsseldorf. Ein erst kürzlich entdeckter Asteroid rast derzeit auf unseren Planeten zu. Er besitzt etwa die Größe eines Flugzeugträgers. Dass er am 31. Oktober in rund 500.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeifliegen wird, ist ein großes Glück, sagen Fachleute.

Der Halloween-Brocken könnte der größte Asteroid sein, der uns in den nächsten Jahren so nahe kommt: Erst 2027 wird laut US-Weltraumbehörde Nasa nach derzeitigem Wissen ein Asteroid dieser Größenklasse ähnlich dicht an der Erde vorbeikommen.

Mit einer Geschwindigkeit von sage und schreibe 126.000 Stundenkilometern rast der Halloween-Besucher am Nachmittag des 31. Oktober an der Erde vorbei, und zwar in nur 1,3-facher Mondentfernung. Einen Einschlag auf der Erde können die Forscher glücklicherweise ausschließen - anderenfalls hätte es schwerste Verwüstungen gegeben.

Denn der Durchmesser des kosmischen Geschosses mit der wissenschaftlichen Bezeichnung 2015 TB145 liegt laut Nasa zwischen 290 und 650 Metern, was einem mittleren Schätzwert von 470 Metern entspricht. Zum Vergleich: Der im Februar 2013 über dem russischen Tscheljabinsk explodierte Asteroid hatte einen Durchmesser von gerade einmal rund 20 Metern. Damals wurde rund 1600 Menschen durch die Druckwelle verletzt.

Schwarze Löcher, ferne Galaxien, explodierende Sonnen FOTO: ap

"Der Einschlag eines Asteroiden der Größe von 2015 TB145 wäre eine kontinentale Katastrophe", sagt die Astronomin und Leiterin des Planetariums Bochum, Susanne Hüttemeister. "Wenn ein solcher Brocken in Europa einschlagen würde, wären mehrere Staaten massiv betroffen."

Asteroiden, auch Planetoiden oder Kleinplaneten genannt, gelten als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Dass Kollisionen von Asteroiden mit der Erde verheerende Folgen haben können, beweist ein Blick in die Vergangenheit unseres Planeten.

So donnerte vor 15 Millionen Jahren ein Planetoid von etwa einem Kilometer Durchmesser auf die Schwäbische Alb herab und hinterließ einen Krater, der heute als Nördlinger Ries bekannt ist. Und vor 65 Millionen Jahren schlug ein Asteroid mit einem Durchmesser von rund zehn Kilometern auf der mexikanischen Halbinsel Yukatan ein. Er löste einen Klimawandel aus und leitete damit höchstwahrscheinlich das Aussterben der Dinosaurier ein.

Fotos: Hubble-Aufnahmen seit über 20 Jahren FOTO: dpa, Hubble, European Space Agency

Doch auch kleine "Bomben" aus dem All können große Schäden anrichten: Einen Durchmesser von nur 30 bis 50 Metern hatte ein Asteroid, der mit dem sogenannten Tunguska-Ereignis von 1908 in Zusammenhang gebracht wird. Damals wurden in einer unzugänglichen Region Sibiriens auf mehr als 2200 Quadratkilometern 80 Millionen Bäume umgeknickt - als Ursache wird die Explosion eines Asteroiden in mehreren Kilometern Höhe vermutet, die eine Druckwelle mit der Sprengkraft hunderter Hiroshima-Atombomben auslöste.

Seit Jahren nehmen Astronomen die Umgebung der Erde genau unter die Lupe, um Asteroiden im Anflug möglichst frühzeitig zu entdecken. Aktuell verzeichnet die Nasa mehr als 1630 Kleinplaneten, die als "potenziell gefährlich" eingestuft werden, davon 154 mit mindestens einem Kilometer Durchmesser.

Doch ganz wehrlos wäre die Menschheit nicht bei einem drohenden Einschlag. Wenn ein Asteroid auf Kollisionskurs frühzeitig entdeckt wird, könnte man eine Raumsonde auf ihm einschlagen lassen und ihn dadurch von seiner Bahn abbringen. Denkbar wäre auch, eine Sonde dicht an den Gesteinsbrocken heranzumanövrieren. Durch die Schwerkraft der Sonde könnte der kosmische Aggressor nach und nach von seiner ursprünglichen Flugbahn abgelenkt werden. Als allerletztes Mittel gilt die Zündung einer Atombombe, um den Asteroiden aus seiner Bahn zu werfen. Erfolgsaussichten: ungewiss.

Weltraumteleskop Hubble: Spektakuläre Bilder aus dem All FOTO: dpa, hpl kno

Doch all dies gilt nur für gefährliche Asteroiden, die frühzeitig entdeckt werden. Von der Existenz des Halloween-Asteroiden wissen die Forscher aber erst seit rund zwei Wochen - umso beruhigender also, dass von ihm keine Gefahr droht.

(pst/AFP)
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