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Grundstoff des Lebens
Flüssiges Wasser auf dem Mars entdeckt

Auf dem Mars wurde flüssiges Wasser (RSL) entdeckt
Die dunklen Linien am Hang dieser Berge zeigen die Fließstrukturen, die laut den Forschern auf vorübergehend flüssiges Wasser hindeuten. FOTO: dpa, lof fpt
Washington/Atlanta. Vermutet wurde es seit Jahren, Indizien hatten Wissenschaftler mehrfach entdeckt, nun konnte es die Nasa quasi bestätigen: Es gibt flüssiges Wasser auf dem Mars. Von Ludwig Jovanovic

Dunkle Fließmuster auf der Oberfläche des Mars sorgen seit fünf Jahren für heftige Diskussionen unter Wissenschaftlern. Seit der junge US-Astronom Lujendra Ojha sie eher zufällig auf Oberflächenaufnahmen entdeckte, stand sofort eine Vermutung im Raum: Sie sehen aus, als ob Wasser Krater und Abhänge hinunterfließen würde.

Fünf Jahre lang suchte die Nasa nach weiteren dunklen Fließmustern, sogenannten Recurring Slope Lineae oder kurz RSL. Sie beobachteten die RSL und analysierten sie, bis die Wissenschaftler nun ein Ergebnis präsentieren konnten: Die Muster entstehen im Marsfrühling, sind deutlich sichtbar im Marssommer und verschwinden dann im Marswinter.

Zudem tauchen sie nicht nur an einer Stelle auf, sondern sind über die Oberfläche verteilt. Weitere Analysen ergaben dann, dass die dunklen Fließspuren tatsächlich Salze der Perchlorsäure sind, sogenannte Perchlorate, die man auch in irdischen Wüsten wie Atacama in Chile findet. Noch wichtiger aber ist: Es handelt sich um "feuchte Salze", die Wasser gebunden haben.

Bilder aus dem All geben Rätsel auf FOTO: Nasa

Eigentlich handelt es sich um eine salzige "Bracke"

Die Erklärung der Nasa bei der Pressekonferenz klingt simpel, aber sie ist nun durch Daten bestätigt: Es gibt unter der Marsoberfläche flüssiges Wasser. Nicht klar und sauber, sondern eher eine sehr salzhaltige "Bracke". Wenn das oberflächennahe Wasser die Krater oder Bergabhänge herunterfließt, verdunstet es im Marsommer und hinterlässt die "feuchten Salze". Im Marswinter dann würden diese Salze wieder im Wasserfluss gelöst werden. Das würde das seltsame Auftauchen und Verschwinden der RSL in den wechselnden Marsjahreszeiten erklären.

Das Perchlorat wäre auch der Grund, warum das Wasser überhaupt noch flüssig ist in der dünnen Marsatmosphäre. Reines Wasser an der Oberfläche wäre im Marssommer schon längst verdampft und würde im Winter sofort gefrieren. Die "Perchlorat-Bracke" aber friert erst bei - 70 Grad und verdampft bei + 24 Grad. Damit könnte es auf unserem roten Nachbarplaneten flüssig bleiben – das ganze Mars-Jahr über.

Die Chancen auf den Fund von Leben sind drastisch gestiegen

Die Entdeckung flüssigen Wassers hat zudem eine Reihe von weitreichenden Implikationen: Wir wissen zwar nicht, wie genau Leben auf der Erde entstanden ist – und noch weniger, wie es auf einen anderen Planeten entstehen könnte. Nachdem wir aber auf unserem Planeten Leben an Stellen entdeckt haben, die vor Jahrzehnten noch undenkbar schienen, ist mittlerweile nur noch eine Grundvoraussetzung übrig geblieben: flüssiges Wasser.

Die Nasa kann noch nicht sagen, wie viel der "Perchlorat-Bracke" es tatsächlich gibt, ob es sich um ein weitverzweigtes Flußsystem unter der Oberfläche handelt und ob man vielleicht sogar ganze Seen entdecken kann. Die Wissenschaftler haben auch noch keine Erkenntnisse über die Temperaturverteilung im Wasser. Aber man wisse jetzt, wo und wonach man suchen müsse. Und die Chancen für Leben oder zumindest Spuren von einmal existenten Mikroben sind nach der Entdeckung drastisch gestiegen.

Und auch für eine zukünftige Mars-Mission, bei der Menschen einen Fuß auf unseren Nachbarplaneten setzen, ergeben sich neue Möglichkeiten: Wasser ist eine Verbindung aus Wasserstoff und Sauerstoff. Daraus lässt sich also Luft zum Atmen für die Astronauten gewinnen. Und sogar Raketentreibstoff für die Reise zurück. Das reduziert den Aufwand sowie die Kosten – und macht die Mission zum Mars sehr viel wahrscheinlicher.

Die neuen Erkenntnisse bestätigen Vermutungen, die sich bislang nur auf Indizien stützten. Bereits 2013 entdeckte der Marsrover Curiosity, dass der Marsboden relativ feucht ist – mit einem Wasseranteil von zwei Prozent. Das hatte erneut bestätigt, dass es auf dem Mars vor drei bis vier Milliarden Jahren Flüsse und Seen gegeben hat.

Weitere Analysen hatten zudem ergeben, dass es auf unserem Nachbarn vor 3,7 Milliarden Jahren einen gewaltigen Ozean gegeben hat – in der nördlichen Hemisphäre des Planeten. Er enthielt genug Wasser, um die gesamte Oberfläche des Planeten bis zu 140 Meter tief mit Wasser zu bedecken. Noch nicht genau bekannt ist aber, was tatsächlich passiert ist, um aus dem Mars eine solche Wüste zu machen.

(jov)
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