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Drei Tage vor Heiligabend
"Himmelsdrache" knabbert den Mond an

Als sich der Mond verdunkelte
Als sich der Mond verdunkelte FOTO: AP
Köln (RPO). Drei Tage vor Heiligabend können Himmelsgucker die einzige Finsternis des gesamten Jahres beobachten: Wer am Dienstagmorgen gegen 7.30 Uhr bei klarem Wetter nach Nordwesten blickt, wird Zeuge einer allmählichen Verfinsterung des untergehenden Vollmonds. Während sich langsam die Dämmerung ankündigt, taucht die Mondscheibe nach und nach etwa bis zur Hälfte in ein dunkelrotes Licht.

Die anschließende totale Verfinsterung des Erdtrabanten ist in unseren Breiten allerdings nicht mehr zu beobachten - zu diesem Zeitpunkt wird der Mond bereits untergegangen sein.

Finsternisse sind das Ergebnis des himmlischen Wechselspiels von Sonne, Mond und Erde. Bei einer Mondfinsternis steht die Erde auf einer geraden Linie zwischen Sonne und Mond - der Vollmond taucht in den Schatten ein, den die von der Sonne angestrahlte Erde ins Weltall wirft.

Bei einer Sonnenfinsternis ist es umgekehrt: Dann zieht der Neumond von der Erde aus gesehen vor der Sonnenscheibe vorbei, wirft also seinen Schatten auf unseren Planeten. Das Ergebnis ist je nach Beobachtungsort auf der Erdoberfläche eine teilweise, selten auch eine totale Verfinsterung der Sonne.

Die bevorstehende Mondfinsternis beginnt am Dienstag um kurz vor 06.30 Uhr Mitteleuropäischer Zeit, wenn der Vollmond zunächst in den Halbschatten der Erde eintritt. Für Beobachter spannend wird es jedoch erst ab etwa 07.00 Uhr - dann wird die Mondscheibe oben links ganz allmählich etwas dunkler. Um 07.32 Uhr, nur fünf Minuten vor Dämmerungsbeginn, wird der Erdtrabant schließlich vom dunklen Kernschatten unseres Planeten erfasst. Die Scheibe des Vollmondes wird dann von links immer mehr zur Sichel.

Leider beginnt die Phase der totalen Verfinsterung erst um 8.40 Uhr, wenn der Mond bereits unter den Horizont gesunken ist. Könnten wir auch diese totale Finsternis von Deutschland aus sehen, wäre der Mond aber immer noch nicht vollständig schwarz. Dies hängt mit der Brechung des Sonnenlichts in der Erdatmosphäre zusammen: Dabei wird langwelliges rötliches Restlicht in den Kernschatten gelenkt, der Mond leuchtet daher bräunlich bis organgerot.

Dass eine Mondfinsternis nicht jedesmal bei Vollmond auftritt, ist auf die leichte Neigung der Mondbahn gegen die Ekliptik - die Ebene der Erdbahn - zurückzuführen. Wegen dieser Neigung von rund fünf Grad wandert der Mond auf seiner Bahn um die Erde meist ober- oder unterhalb des Erdschattens vorbei.

Nur wenn der Vollmond exakt in einem der beiden Schnittpunkte von Mondbahn- und Erdbahnebene steht, wird er vom Erdschatten erfasst. Diese Schnittpunkte heißen auch Drachenpunkte - in Anlehnung an die chinesische Mythologie: Beim Anblick einer Finsternis glaubten die Menschen im alten China, dass ein Himmelsdrache das Gestirn verschlingt.

(AFP/csr)
 
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