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Pyramiden im All
Ein Foto vom Mars löst wilde Spekulationen aus

Bilder aus dem All geben Rätsel auf
Bilder aus dem All geben Rätsel auf FOTO: Nasa
Düsseldorf. Der Mars-Roboter Curiosity hat ein Bild aufgenommen, das Stoff für abenteuerliche Theorien bietet. Es zeigt einen Felsen, der so aussieht wie eine Pyramide. Für einige Sternendeuter ein Beweis für die Existenz einer intelligenten Zivilisation im All. Von Ludwig Jovanovic und Philipp Stempel

Das Bild stammt vom 7. Mai. Aufgenommen hat es Mars-Roboter Curiosity. Es zeigt einen pyramidenartigen Felsen auf dem Mars. Er hat eine Spitze, zwei dreieckige Flächen wirken glatt und wie geometrisch geformt. Seine Größe soll ungefähr der eines Autos entsprechen.

Für Anhänger von Theorien über intelligentes Leben im All kommt das Bild einer Einladung gleich. Sie verweisen auf die "nahezu perfekte" Form und sehen darin ein Indiz, wenn nicht gleich einen Beweis für intelligentes Leben auf dem Mars. Die Pyramide könnte nur die Spitze einer viel größeren, inzwischen vom Sand bedeckten Konstruktion sein.

Für Experten handelt es sich nicht um eine Pyramide, sondern nur um einen Felsbrocken: Auf der Sonnenseite ist ein Stück abgebrochen. So wie bei einem Kuchen, dem ein Viertel fehlt. Wind und Staub haben die Bruchseite dann über Jahrtausende abgeschliffen. Dadurch wirkt die Sonnenseite auf den ersten Blick glatt und gleichförmig.

Bei dem Foto blickt man zudem auf eine Bruchkante. Dadurch entsteht auf der linken Seite der Eindruck einer durchgehenden Fläche, die es aber nicht gibt. Der rechte Teil dagegen liegt im Schatten, so dass die genaue Form nicht zu erkennen ist. Dazu kommt, dass durch die geringe Auflösung Details verschwimmen. Im Originalfoto ist der Fels ein kleines Detail im Hintergrund einer größeren Aufnahme. Das wiederum kann das Auge täuschen, und es ähnelt einer Pyramide.

Für eine optische Täuschung spricht zudem, dass sich in der Bilderserie vom Mars keine weitere Aufnahme findet, die eine Pyramide erkennen lässt. Doch sehen geübte Verschwörungstheoretiker darin erst recht einen Beleg für ihre Vermutungen. Schließlich könnte doch die Nasa bewusst darauf verzichtet haben, den Felsen weiter zu untersuchen oder die Bilder unter Verschluss halten. Auch auf dem Mars funktioniert das Paradox der Verschwörungstheorien prächtig: Das was man nicht sehen kann, ist Beweis dafür, dass es existiert, aber geheim gehalten wird.

Freilich ist es nicht das erste Mal, dass Menschen glauben, Zeichen von Intelligenz auf dem Mars entdeckt zu haben. Auf Fotos des Mars-Hochlandes Cydonia Mensae, die von der US-Marssonde Viking I im Jahr 1976 aus knapp 2000 Kilometer Höhe gemacht worden waren, sahen einige die gewaltige Skulptur eines Gesichts. Zudem meinten sie südlich davon auch da pyramidenähnliche Strukturen zu erkennen. Das Gerücht hielt sich hartnäckig und war Anlass für Verschwörungstheorien. Erst 2001 konnte die NASA das mit Bildern des Mars Global Surveyors widerlegen: Das "Gesicht" war nicht mehr als eine stark verwitterte Felsformation, die "Pyramiden" waren erodierte Felsen.

1877 beschrieb der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli bei der Beobachtung des Mars Linienstrukturen, die er lapidar "Canali" (Rinnen) nannte. Es handelte sich um Canyons, optische Täuschung und Lichteffekte. Seine Wortwahl aber führte schnell zum Übersetzungsfehler von "Canali", die zu Kanälen wurden. Und die könnten nur Bauwerke einer marsianischen Intelligenz sein.

Freilich hat auch die Nasa noch Fragen an den Weltraum. So stellt auch eine Beobachtung auf dem Zwergplaneten Ceres im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter die Forscher vor ein Rätsel. Bilder der Nasa-Raumsonde "Dawn" zeigten mysteriöse helle Flecken auf dem Himmelskörper. Unklar ist, ob gefrorenes Wasser oder Salzminerale das Flecken-Phänomen verursachen.

Die Nasa gestaltete zu dem Flecken-Fund eigens eine eigene Website, auf der sie Besucher sogar mit einer Abstimmung zum Miträtseln über die Ursachen des Phänomens einlädt.

"Sicherlich handelt es sich um eine der außergewöhnlichsten Strukturen in unserem Sonnensystem", erklärte der MPS-Forscher Andreas Nathues, der das Kamera-Team leitet. Die Aufnahme entstand mit weiteren Bildern der Ceres-Oberfläche am 6. Juni und weist eine Auflösung von 400 Metern pro Pixel auf.

Neben hellen Flecken zeigten die Kamerabilder aber auch eine steilen Berg, der ebenfalls an eine Pyramide erinnert. Die Forscher bezeichnen ihn als Ceres-Pyramide. Wie das Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt zusammenfasst, ragt sie rund fünf Kilometer aus einem relativ flachen Gelände auf Ceres heraus.

Mehr Erkenntnisse erhoffen sich die Wissenschaftler am 4. August. Dann soll die Raumsonde "Dawn" sich dem Zwergplaneten bis auf 1450 Kilometer Entfernung nähern und mit Hilfe der deutschen Kamera an Bord Aufnahmen mit mehr Details zur Erde senden. Dann beträgt die Auflösung 140 Meter pro Pixel.

"Dawn" hatte die mysteriösen hellen Flecken bereits im Winter beim Anflug auf Ceres fotografiert. Die Nasa-Raumsonde war Anfang März nach mehr als siebenhalbjähriger Reise in eine Umlaufbahn um den eisigen Zwergplaneten eingeschwenkt und näherte sich seither nach und nach weiter dessen Oberfläche. Wissenschaftler vermuten unter der Kruste des Zwergplaneten einen Ozean.

Die Bilder von Ceres und Mars finden Sie hier in einer Bilderstrecke.

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