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ESA-Mission
Mars-Sonde ist gelandet – aber in welchem Zustand?

Mars-Sonde Schiaparelli gelandet: ESA wartet auf ein Signal
Das Landemodul Schiaparelli koppelte drei Tage vor dem unsanften Aufsetzen von der Hauptsonde ab. FOTO: dpa, ase
Darmstadt . Die europäische Weltraumorganisation ESA und ihr russisches Pendant Roskosmos warten auf den Erfolg: Das Landemodul Schiaparelli hat zwar den Marsboden erreicht, doch die Experten warten auf ein Signal des Geräts. Von Ludwig Jovanovic

Gegen 16.58 Uhr haben indische Radioteleskope in Pune das schwache UHF-Signal des Landemoduls Schiaparelli noch aufgefangen. Der kurze Statusbericht hat fast zehn Minuten bis zur Erde benötigt. Aber es ist bislang nur die Bestätigung, dass die ESA in Kooperation mit der staatlichen russischen Weltraumbehörde Roskosmos eine Sonde auf dem Roten Planeten abgesetzt hat. Klar ist damit: Die Sonde ist in die Marsatmophäre eingetreten, der Hitzeschild wurde abgeworfen, der Fallschirm ist aufgegangen.

Die Frage ist jetzt: War es eine erfolgreiche Landung? In welchem Zustand ist die Sonde? Ob sie intakt ist, sei noch unklar, hieß es vonseiten der ESA. In den nächsten Tagen sollen Bilder und Daten folgen, die Schiaparelli an andere Marssonden senden soll. Für diese Datenmenge ist die experimentelle Verbindung des Landemoduls mit Pune, die mit Unterstützung der US-Weltraumbehörde Nasa eingerichtet wurde, zu schwach.

Die Landung lief offenbar ab wie geplant, und zwar so: Gegen 16.42 Uhr ist Schiaparelli 122 Kilometer über der Marsoberfläche mit fast 21.000 km/h in die dünne Marsatmosphäre eingetreten. Der wie ein stumpfer Kegel geformte Bug-Hitzeschild aus einem Kork-Phenolharz-Gemisch erhitzte sich dabei auf knapp 1800 Grad Celsius und seine Außenschicht schmolz ab. Fünfeinhalb Minuten nach Eintritt in die Marsatmosphäre in 1300 Meter Höhe und mit etwa 270 Kilometer pro Stunde zündeten die Brems- und Landetriebwerke.

Sie bremsten die Sonde so weit ab, dass sie zwei Meter über der Oberfläche fast zu schweben schien, bevor sie abgeschaltet wurden. Im freien Fall landete die Sonde nahe dem Mars-Äquator dann eher unsanft. Zum Schutz befand sich auf der Unterseite eine Art Knautschzone wie bei einem Auto, um den Stoß abzufangen.

Rund sechs Minuten nach Eintritt in die Atmosphäre setzte das Modul auf und sollte dann ein kurzes Signal senden, bevor es sich in den Ruhemodus versetzt, um Energie zu sparen. Während des Durchstoßens ging der Kontakt zu der Sonde verloren, wie der ESA-Missionsleiter Paolo Ferri mitteilte.

Nun wartet man in der ESA-Zentrale in Darmstadt auf die Daten der anderen Marssonden. Erst dann wird man wissen, ob die Mission ein Erfolg oder ein Fehlschlag war. Am frühen Abend sendete die europäischen Sonde MarsExpress Daten zur Landung, diese sind jedoch nicht eindeutig. 

Die ganze Mission ist ein Test für das Landeverfahren, mit dem die Europäer selbst kaum Erfahrung haben. Schiaparelli soll beweisen, dass die Computersysteme und die Landetechnik funktionieren. 2020  soll dann in einem nächsten Schritt des ExoMars-Programms ein Mars Rover folgen – erneut in Kooperation der ESA mit Roskosmos.

 
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