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Nasa-Ergebnisse
Die Tragödie des Mars

Nasa: Am Ende hat es der Mars nicht geschafft
Bruce Jakosky von der Nasa stellte die Ergebnisse vor. FOTO: afp, wm/md
Düsseldorf. Der Mars war einst ein warmer Planet mit Flüssen, Ozeanen und einer Atmosphäre wie auf der Erde. Vor mehr als vier Milliarden Jahren begann dann die Tragödie. Das sind die Ergebnisse der Nasa und der Maven-Sonde, die man am Donnerstagabend vorstellte. Von Ludwig Jovanovic

Am Ende hat es der Mars nicht geschafft: Der beständige Teilchenstrom der Sonne, der sogenannte Sonnenwind aus positiv geladenen Protonen und negativ geladenen Elektronen, hat die Atmosphäre des Roten Planeten quasi weggeblasen ¬– wie eine Art kosmischer Fön. Das sind die ersten Ergebnisse der US-Sonde Maven, die den Mars seit mehr als einem Jahr umkreist. Das 2,3 mal 2,3 mal 1,5 Meter große Labor untersucht die obere Atmosphäre des Roten Planeten – und die Wechselwirkungen mit dem Sonnenwind. Und die Daten aus den ersten sechs Monaten bieten eine Lösung für das Rätsel, wie unser Nachbarplanet seine einst dichte Atmosphäre verloren hat.

Am Donnerstagabend präsentiere die US-Weltraumbehörde ihre Ergebnisse. Und die Belege dafür, dass der Mars einst ein warmer Planet mit einer dichten Atmosphäre wie auf der heutigen Erde und Flüssen, Ozeanen sowie Seen war, seien eindeutig. Heute aber präsentiert er sich als eine kalte, trockene Wüste – mit einer dünnen Lufthülle. Ihr Druck an der Mars-Oberfläche entspricht mittlerweile nur noch dem auf der Erde – in 35 Kilometer Höhe. Der Grund dafür liegt im Zusammenbruch des schützenden Magnetfeldes des Mars vor etwa 4,2 Milliarden Jahren. Die genaue Ursache dafür kennt man noch nicht. Möglicherweise kühlte der Kern des Planeten zu schnell ab, um dieses Feld noch zu erzeugen.

Doch ohne dieses Magnetfeld war und ist der Mars dem Sonnenwind wehrlos ausgesetzt, der im Schnitt mit etwa 1,6 Millionen Kilometer pro Stunde durch All jagt. Wie eine Bugwelle wird der Teilchenstrom durch den Planeten und seine heutige, dünne Restatmosphäre gebrochen. Das alleine klingt schon nach einem stürmischen Vorgang.

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Doch der Sonnenwind trägt auch ein eigenes Magnetfeld mit sich. Und ein sich bewegendes Magnetfeld erzeugt wie in einem Generator auch ein elektrisches Feld – das im Falle des Mars so stark ist, dass er Atome und Moleküle aus der Lufthülle des Roten Planeten reißt. Nach den Berechnungen und Daten der Nasa-Wissenschaftler verliert die Marsatmosphäre derzeit dadurch etwa 100 Gramm pro Sekunde. Der Wert klingt klein, summiert sich aber über Jahrmillionen zu gewaltigen Mengen. Zumal der heutige Sonnenwind kein Vergleich ist zu dem "Sturm" in den frühen Jahren unseres Sonnensystems vor vier Milliarden Jahren: Damals muss die Marsatmosphäre zehn bis vielleicht sogar zeitweise 100 Kilogramm pro Sekunde verloren haben. Nach und nach wurden fast 99 Prozent der Atmosphäre abgestreift und in die Tiefen des Alls gerissen. Es müssen gravierende Veränderungen gewesen sein, die sich damals auf dem Planeten abgespielt haben – und die aus einer möglicherweise einladenden Welt eine Wüste geschaffen haben.

Ist das Schicksal unseres Nachbarplaneten eine Warnung für uns? Derzeit hat die Erde ein starkes Magnetfeld, das uns vor dem Sonnenwind weitgehend schützt. Die Gefahr besteht also derzeit nicht, dass wir dem Mars und seiner Entwicklung folgen werden. Sollte unser Magnetfeld aber eines Tages dauerhaft schwächeln, zeigt der Mars uns, was dann passieren kann.

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