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Rheinländerin fliegt zur ISS
"Ich möchte die technischen Grenzen der Menschheit verschieben"

Rheinländerin will zur ISS fliegen: "Ich möchte die technischen Grenzen der Menschheit verschieben"
Nicole Baumann könnte 2020 die erste deutsche Raumfahrerin sein. Sie ist eine von zwei Finalistinnen in einem privaten Astronautinnen-Wettbewerb. FOTO: Ingo Wagner
Düsseldorf. Nicola Baumann ist eine von zwei Rheinländerinnen, die 2020 zur ISS fliegen könnten. Damit wäre sie die erste deutsche Frau im Weltraum. Wir haben mit der Eurofighter-Pilotin über ihre Leidenschaft und erste Dates gesprochen.  Von Franziska Hein

Nicola Baumann ist zwar gebürtige Münchenerin, hat im Rheinland aber ihre zweite Heimat gefunden. Die 31-Jährige arbeitet als Eurofighter-Pilotin bei der Bundeswehr in Nörvenich in der Eifel. Sie lebt in Köln. Nach dem Abi bewarb sie sich bei der Bundeswehr. "Ich dachte aber nicht, dass die mich nehmen", erzählt Baumann. Erst flog sie Tornado und dann den Eurofighter. In den letzten Jahren absolvierte sie ein Maschinenbau-Fernstudium. Gerade macht sie noch einen Master in Luft- und Raumfahrttechnik. Sie will die erste deutsche Frau im Weltraum werden und 2020 zur ISS fliegen. 

Video: Diese Rheinländerinnen könnten ins All fliegen

Die private Initiative "Die Astronautin" hat aus 400 deutschen Frauen zwei Finalistinnen ausgewählt, die nun eine Ausbildung zur Raumfahrerin machen werden. Neben Nicola Baumann hat auch Insa Thiele-Eich (33) die Jury überzeugt. Die Ausbildung beginnt in der zweiten Jahreshälfte 2017 und dauert zwei Jahre. In ihrem Verlauf wird sich entscheiden, wer 2020 zur ISS fliegen kann. Der erste Trainingsabschnitt soll durch eine Crowdfunding-Kampagne finanziert werden. Bislang sind schon knapp über 30.000 Euro eingegangen (Stand 12.45 Uhr).

Warum wollen Sie Astronautin werden? 

Nicola Baumann Mir geht es wie wahrscheinlich vielen anderen Menschen auch. Wenn ich den Nachthimmel betrachte, frage ich mich, was da draußen ist. Pioniergeist und Abenteuerlust gepaart mit spannender Technik spielen auch eine Rolle. Ich möchte die technischen Grenzen der Menschheit verschieben.

Haben Sie schon mal in einem Raumschiff gesessen? 

Baumann Nein. Das was am nächsten daran reicht, ist der Eurofighter. Der kann in knapp zwölf Kilometern Höhe fliegen. Die ISS kreist in 400 Kilometern Höhe um die Erde. 

Abgesehen von der Initiative "Die Astronautin" – haben Sie sich bereits als Astronautin beworben?

Baumann Nein. Zuletzt hat die European Space Agency (ESA) 2009 nach Astronauten gesucht. Damals war ich noch viel zu jung und hatte auch noch kein Maschinenbau-Studium. Ich hätte also die nächste Kampagne abwarten müssen. Die private Initiative "Die Astronautin" ist bislang meine einzige Chance. 

Fühlen Sie sich als Vorkämpferin für Frauen? Der Job einer Eurofighter-Pilotin ist nun auch kein klassischer Frauenberuf...

Baumann (lacht) Das ist ein Nebeneffekt. Ich habe immer das gemacht, woran ich Interesse hatte und was ich gut kann. Mir fällt trotzdem auf, dass das an vielen Stellen überraschenderweise ein Thema ist. Ich muss immer wieder Mädchen oder auch Jungs motivieren, dass sie das auch können. 

Wie reagieren eigentlich Ihre Kollegen? 

Baumann Die unterstützen mich. Die finden es cool, dass sie vielleicht bald eine Astronautin kennen. 

Und Ihr Mann?

Baumann Mein Mann und meine ganze Familie stehen hinter mir. Die freuen sich sehr für mich. 

Erzählen Sie Männern beim ersten Treffen, was Sie machen?

Baumann Die Männer, die ich kennengelernt habe, waren meistens auch Piloten, insofern waren die gar nicht überrascht oder eingeschüchtert. 

Was kommt jetzt auf Sie zu? 

Baumann Ich muss russisch lernen. Es steht noch nicht fest, ob wir mit einer russischen oder amerikanischen Rakete ins All fliegen. Dann werden wir Parabelflüge machen, um uns an die Schwerelosigkeit zu gewöhnen. Wir promoten aber natürlich auch die Kampagne "Die Astronautin" weiter, weil wir Sponsoren brauchen und zeigen wollen, dass Frauen das natürlich können.

Wovor haben Sie am meisten Respekt?

Baumann Spannend wird die Erfahrung der Schwerelosigkeit. Ich bin gespannt, wie der Körper sich anpasst. Eine witzige Erfahrung wird bestimmt auch, die Erde von außen zu betrachten. Wie sich das anfühlt, kann ich mir gerade nur abstrakt vorstellen.

Was ist gefährlicher – Luft- oder Raumfahrt? 

Baumann Das ist schwierig zu sagen. In der Luftfahrt arbeiten jeden Tag sehr viele Menschen, Raumfahrt findet viel seltener statt. Beides machen Profis. Aber es bleibt immer ein Restrisiko.  

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