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Rätselhafte Helligkeitsschwankungen
"Tabbys Stern" bleibt Mysterium für Astronomen

Tabby's Stern: Ein Mega-Bauwerk von Aliens oder Kometen
NASA-Illustration von Tabbys Stern: Er ist 1480 Lichtjahre entfernt und hat die 1,4-fache Masse unserer Sonne FOTO: NASA/JPL-Caltech
Düsseldorf. Wissenschaftler rätseln über "Tabbys Stern": Um bis zu 22 Prozent schwankt dessen Helligkeit, auch neue Analysen liefern keine plausible Erklärung dafür. Steckt eine technisch hochentwickelte Alien-Zivilisation dahinter? Von Ludwig Jovanovic

Er ist 1480 Lichtjahre entfernt im Sternbild Schwan und trägt den etwas schwer zu merkenden Namen KIC8462852 – seine Nummer in den Daten des Kepler-Weltraumteleskops. Längst hat er aber einen Spitznamen bekommen: Tabbys Stern – nach der Astronomin Tabetha Boyajian der Yale University. Sie war die Hauptautorin jener Arbeit im September 2015, in der der Stern und sein seltsames Verhalten beschrieben wurde: Immer wieder nimmt seine Helligkeit um 15 bis 22 Prozent ab und dann wieder zu.

Und das ist es, was aus Tabbys Stern plötzlich einen Kandidaten für eine außerirdische Zivilisation gemacht hat. Denn die Ursache für diese massiven Schwankungen könnten für den Astronomen Jason Wright Plattformen und Stationen sein, die Außerirdische gebaut haben. Es würde sich um einen sogenannten Dyson-Schwarm handeln. Nach dem britischen Physiker Freeman Dyson, der bereits 1960 beschrieben hatte, wie eine fortgeschrittene Zivilisation ihren Energiebedarf theoretisch decken könnte – mit der Hilfe von Hightech-Solarzellen im Orbit um ihre Sonne. Auf diese Idee kam Wright, weil ein Planet alleine nicht ausreicht, um diese Form der Abschattung zu erklären: Selbst ein Gas-Gigant wie Jupiter würde nur maximal zu einem Prozent dazu beitragen, er könnte aber niemals der Grund für die gemessenen 22 Prozent sein.

Alien-Hightech oder 36 Kometen

Wright selbst räumt allerdings ein, dass eine außerirdische Zivilisation als Ursache eher unwahrscheinlich sei. Und weil außerordentliche Behauptungen auch außerordentliche Beweise benötigen, die zumindest noch nicht vorliegen, kam auch schnell eine alternative Erklärung auf – die weniger nach Science Fiction klingt: 36 große Kometen, die den Stern umkreisen, könnten ebenfalls das Verhalten erklären. Es wäre ein kurioses, seltenes Phänomen, aber durchaus möglich. Doch beide Erklärungen haben mittlerweile ein Problem: Was auch immer um den knapp 1500 Lichtjahre entfernten Stern kreist, es kann nicht die Gesetze der Physik aushebeln. Wenn also etwas die Strahlung des Sterns auffängt, eine Alien-Mega-Anlage oder Kometen, müsste es auch etwas davon wieder abgeben – als Wärme- beziehungsweise Infrarot-Strahlung. Das hat man bereits untersucht und nichts Auffälliges entdeckt. Für beide Hypothesen, Aliens und Kometen, ist das kein gutes Zeichen. Es macht das Rätsel um den Stern indes noch größer.

Auch die berufsmäßigen, wissenschaftlichen Alien-Jäger des Seti-Instituts, die auf der Suche nach außerirdischen Signalen den Himmel durchforsten, haben mit ihren Radio-Teleskopen in Richtung von Tabbys Stern gehorcht – und bislang keine Nachricht einer technologisch fortgeschritten Zivilisation empfangen. Doch dann kam der Astronom Bradley Schaefer von der Louisiana State University. Er untersuchte astronomische Photoplatten der vergangenen 100 Jahre. Und demnach hatte die Helligkeit von Tabbys Stern in diesem Zeitraum bereits um 16 Prozent abgenommen. Es müssten dann schon 648.000 Kometen mit jeweils 200 Kilometer Durchmesser sein, die den Stern umkreisen. Und das erscheint unwahrscheinlich. Vor allem, wenn man im Vergleich die größten Kometen in unserem Sonnensystem betrachtet, die auf maximal 100 Kilometer Durchmesser kommen.

Noch keine endgültige Erklärung

Doch eine neue Arbeit, an der neben US-Astronomen auch der deutsche Wissenschaftler Michael Hippke aus Neukirchen-Vluyn beteiligt war, hat sich diese alten Photoplatten noch einmal vorgenommen. Und verlässlich sind die Daten offenbar nicht, weil es in den 1960ern einige Änderungen in der Archivierung und Technik gab. Was Schaefer als natürliche Veränderung interpretiert, sei am Ende nichts anders als der Wechsel zu einer moderneren Aufnahme-Technik gewesen. Denn sowohl vor als auch nach 1962 strahlte Tabbys Stern stabil – wenn auch auf jeweils auf einem anderen Niveau. Das könnte man fälschlicherweise als Helligkeitsabnahme deuten. Schaefer widerspricht dem Ergebnis.

Aber es würde heißen, dass ein Schwarm von nur 36 Kometen als natürliche Erklärung eventuell doch ausreichen würde. Vom Tisch ist die Alien-Hypothese indes nicht. Weitere Beobachtungen sollen in Zukunft folgen, um das mysteriöse Verhalten von Tabbys Stern aufzuklären und ein bislang unbekanntes Naturphänomen zu entdecken – oder möglicherweise doch eine Spur von E.T..

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