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Tierische Mitbewohner
"Jeder Hamster ist gefährlicher als diese Spinne"

Das sind die häufigsten Spinnen in Deutschland
Das sind die häufigsten Spinnen in Deutschland FOTO: CC BY-SA 2.5 / Kulac
Düsseldorf. Wenn es draußen kalt wird, krabbeln sie durch Türspalten und Fensterrahmen in unsere Wohnungen: Winkelspinnen. In Oberhausen erschreckten sich Hausbewohner vor einem handtellergroßen Exemplar. Doch der Experte gibt Entwarnung: Die Spinnen sind absolut ungefährlich - egal, wie groß sie sind. Von Laura Sandgathe

Menschen, die Angst vor Spinnen haben, nennt man in der Fachsprache Arachnophobiker. Und ebendiesen dürfte es bei folgendem Satz des Biologen Dr. Martin Kreuels eiskalt den Rücken herunterlaufen: "In einer Wohnung in der Stadt leben ständig etwa zwei bis drei Hauswinkelspinnen, in einer Wohnung auf dem Land, zum Beispiel an einem Feld, sind es fünf bis sechs". Dass wir Mitbewohner mit acht Beinen haben, ist also ganz normal. Und auch, dass diese Mitbewohner manchmal bis zu zehn Zentimeter groß werden können - also in etwa so groß wie unsere Handfläche.

Wenn die Spinnen so groß werden, liegt das entweder an ihrer Art (Hauswinkelspinnen sind eine Spinnen-Familie, von der es mehrere Arten gibt) oder an einem besonders guten Nahrungsangebot, sagt Kreuels. 

Das sind die ekligsten Tiere für die Deutschen FOTO: dpp

Zwar leben das ganze Jahr über Spinnen in der Wohnung, doch im Winter, wenn die Temperaturen sinken, zieht es die Tiere vermehrt ins Warme. "Spinnen haben keine eigene Körpertemperatur", erklärt Kreuels. Sie sind immer so warm wie ihre Umgebung. "Je kälter die Spinne wird, desto langsamer kann sie sich fortbewegen", sagt Kreuels. Wenn die Temperatur in ihrem Umfeld auf den Gefrierpunkt sinkt, wird die Spinne so kalt, dass sie sich gar nicht mehr bewegen kann. "Sie stirbt dann zwar nicht sofort, kann aber nicht mehr jagen und würde deshalb mit der Zeit verhungern", sagt Kreuels.

Um zu überleben, zieht es die Spinnen deshalb in die Wohnungen, in denen es auch im Winter meist konstant um die 20 Grad warm ist. "Der Nachteil ist, dass die Nahrungssituation für Spinnen im Haus sehr viel schlechter ist als draußen", sagt Kreuels. Die Spinnen würden also ohnehin nur so lange im Haus bleiben, bis sie dort keine Nahrung mehr finden. Dann suchen sie sich entweder ihren Weg nach draußen - oder verhungern im Haus. Letzters ist der häufigere Fall, sagt der Experte. "Spinnen sind nicht die intelligentesten Tiere. Meist finden sie den Weg nach draußen nicht mehr". 

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In Deutschland gibt es keine gefährlichen Spinnen

Wie sollte man am besten reagieren, wenn man in seiner Wohnung auf eine Spinne trifft? "Lassen Sie sie doch einfach dort, wo sie ist", sagt Kreuels. Die Spinnen seien völlig harmlos, und außerdem fressen sie andere Insekten wie Kellerasseln, die sich ebenfalls in der Wohnung aufhalten könnten. Wer unter keinen Umständen mit einer Spinne zusammenleben will, wendet am besten die altbewährte Methode an und bringt sie mithilfe eines Glases und einem Blatt Papier oder einem stabilen Bierdeckel oder einer Postkarte ins Freie. Der Tipp dazu vom Experten: "Gehen Sie möglichst 50 bis 60 Meter weit von ihrem Haus weg und setzen Sie die Spinne erst dort aus". Spinnen können sich orientieren und finden, wenn sie zum Beispiel direkt unter dem Fenster ausgesetzt werden, innerhalb kurzer Zeit in die Wohnung zurück.

Falls es beim Einfangen einer Spinne doch einmal dazu kommt, dass diese beißt, gibt es keinen Grund zur Sorge, so der Experte. "Der Biss ist höchst selten und außerdem völlig ungefährlich", sagt Kreuels. Auf der Haut entsteht vielleicht eine juckende, gerötete Stelle, die aber nach spätestens zwei bis drei Stunden abklingt. Ein Arzt muss nicht aufgesucht werden, sagt Kreuels. 

Die Hauswinkelspinnen sind also ungefährlich - ganz egal, wie groß sie daherkommen. Doch kann auch ein Laie selbst feststellen, ob eine Spinne harmlos ist oder nicht? Im Grunde ja, sagt Kreuels. Allerdings erfordert die Methode, dass man die Spinne anfasst: "Sie müssen die Spinne auf den Rücken drehen. Für den Menschen giftige Spinnen, wie zum Beispiel die schwarze Witwe, haben auf dem Bauch eine rote Sanduhr eingezeichnet", sagt Kreuels. Da in Deutschland aber "zu 99 Prozent" nur ungefährliche Spinnen leben, wie der Experte hinzufügt, kann man die Spinne in der Wohnung auch getrost einfach Spinne sein lassen.

In der Bilderstrecke sehen Sie die Spinnen, die in Deutschland am häufigsten vorkommen.

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