| 07.22 Uhr

"Social Dinner"
Zu Hause kochen für Fremde

Auf Online-Portalen verabreden sich Menschen zum Essen - obwohl sie sich nicht kennen. Unsere Autorin war bei so einem Social Dinner in Düsseldorf dabei. Von Susanne Hamann

An dieser Haustür in Düsseldorf zu klingeln, ist ein bisschen, als ob man zu einem Blind Date geht. Nur ist der Mann, der aufmacht, kein Date, sondern der Koch für eine Nacht. Und man isst auch nicht zu zweit, sondern es kommen vier weitere Fremde.

Jens Feger ist Hobbykoch in Düsseldorf und hat eingeladen. Organisiert hat er das Event über die Online-Plattform "Eatwith", das Airbnb der Gastronomie. Mehr als 500 Köche in 200 Städten weltweit bieten hier ihre Dienste an. Die Idee: Hungrige Reisende erfahren bei gastfreundlichen Köchen mehr über Land und Leute. Längst nutzen jedoch nicht nur Touristen die Plattform, sondern auch kontaktfreudige Einheimische, die etwas ausprobieren wollen. So ist das auch heute Abend: von fünf Gästen kommen drei aus Düsseldorf.

Hobbykoch Jens ist der einzige, der solche Dinner in Düsseldorf auf "Eatwith" anbietet. Auf der Konkurrenz-Plattform "ChefOne", die durch das TV-Format "Höhle der Löwen" bekannt wurde, gibt es noch zwei weitere Anbieter. Wer sich bei Jens einbucht, kann zum italienischen Menü kommen oder zur Fusionküche, einer Kombination aus verschiedenen Esskulturen. Heute gibt es Letzteres. Der 36-Jährige nennt es "Menü Bang Boom Bang". Vorspeise: Ceviche von der Dorade. Zweiter Gang: Salmon Tataki aus rohem Lachs in Sesamkruste, Erbsen-Minzsalat und Wasabisauce. Hauptspeise: Risotto mit Morcheln. Nachtisch: Carrotcake mit Krokant und Zitronensorbet.

Den Menüplan bekommt man auch auf "Eatwith" angezeigt. Der Gastgeber lädt Fotos vom Essen und von der Wohnung hoch, er beschreibt sich selbst und man sieht seine Bewertungen. Bestätigt der Gastgeber die Anfrage, wird der Teilnahmebetrag per Paypal eingezogen. Heute sind das 56 Euro pro Person. Wer sonst noch kommt, erfährt man am Tisch.

Das sind die beiden Freundinnen und Marketing-Expertinnen Sibylle Geisert (45) und Tanja Ossowski (48) aus Düsseldorf sowie das Ehepaar Karen (45) und Michael (52) Witt aus Mettmann. Gegessen wird in der Küche einer schicken Altbauwohnung. Jens hat die Inneneinrichtung selbst konzipiert. Der massive Holztisch ist nur mit dem nötigsten eingedeckt, und doch hat Jens nichts dem Zufall überlassen. Leichte Weingläser aus Österreich stehen neben Steingut-Tellern in modernem Design.

Zu Beginn gibt es erst einmal ein Gläschen Rosé-Sekt. Es wird angestoßen, begrüßt, geduzt. Dann legt der Hobbykoch richtig los. Die Vorspeise muss zubereitet werden. Bei ihm ging die Begeisterung fürs Kochen neben dem Sportstudium in Köln los. "Essen macht einfach glücklich", sagt Sybille. "Allerdings muss es schon gutes Essen sein." Alle in der Runde nicken. Jens ist nicht der Einzige mit Leidenschaft fürs Kochen. Jeder am Tisch zaubert regelmäßig mehrgängige Menüs für Freunde und Familie. Kochsendungen sind fester Bestandteil des Feierabendprogramms. Sibylle plant gerade ihr eigenes Menü für Eatwith. Michael hat schon Name, Logo und Konzept für sein eigenes Home-Restaurant zusammen. "Ich wollte einfach mal jemandem über die Schulter sehen, der das schon anbietet", sagt Michael. "Ihr könnt mich ruhig alles fragen", sagt Jens, der an der Küchenzeile wirbelt.

Jens macht das nicht hauptberuflich. Eigentlich ist er Einkäufer für Herrenmode. "Die prüfen die Bewerber sehr genau", sagt er. Man muss Bilder einstellen, ein Menü konzipieren. Hat "Eatwith" das gefallen, muss man ein Probe-Dinner geben, das von den Gästen positiv bewertet wird. Danach wird der Account freigeschaltet. "Seitdem mache ich das einmal im Monat." Ein eigenes Restaurant ist Jens ein zu großes finanzielles Risiko, "und so persönlich wie an den Eatwith-Abenden wäre es auch nicht."

Um 23.30 Uhr ist der letzte Teller leer gegessen. Das Dessert war für Jens die größte Herausforderung. Mit Sorbet, Carrotcake, Erdnusskrokant und Frischkäseschaum hatte es die meisten Komponenten. Und wie hat alles geschmeckt? Das Ceviche war butterzart, nicht aufdringlich, mit einer deutlichen Note von Limette. Das Lachs-Tataki im Sesammantel mit Erbsen-Minz-Salat - ein Genuss. Insgesamt eine runde Sache. Um ein Uhr nachts verlassen alle zufrieden das Haus. Vielleicht sieht man sich ja wieder beim "Eatwith"-Dinner von Sibylle oder Michael. Nur Jens ist noch nicht fertig - er muss seine Küche schrubben.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

"Social Dinner": Zu Hause kochen für Fremde


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.