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Stockholm
Wolfsrudel tötet Tierpflegerin

Stockholm. Acht Wölfe sind in einem schwedischen Zoo über eine 30-jährige Tierpark-Mitarbeiterin hergefallen. Die Pflegerin hatte die Wölfe selbst großgezogen. Wiederholt hatten die Tiere sich jedoch zuletzt aggressiv verhalten. Von Jürgen Stock

Der schwedische Zoo Kolmarden bietet eine besondere Attraktion: "Nahkontakt mit Wölfen". Besucher konnten bislang in Begleitung von Zoo-Mitarbeitern ein Gehege betreten, in dem ein Wolfsrudel lebt. Jungtiere durften sogar gestreichelt werden. Statt des Bildes vom bösen Raubtier wollte der Zoo das Image des netten Freundes von nebenan vermitteln. Schließlich leben in Schweden noch einige tausend Wölfe in freier Wildbahn. Doch dieses Projekt ist nun gestoppt worden – vermutlich für immer. Am Sonntag fiel eine Gruppe von acht Wölfen über eine 30 Jahre alte Tierpflegerin her und biss die Frau tot. "Das Programm ist zu riskant, damit ist Schluss", sagt Zoo-Sprecher Jan Roy.

Nach Angaben des Tierparks arbeitete die Frau seit drei Jahren in dem Zoo und hatte die meisten Tiere mit der Flasche aufgezogen. Die Tiere kannten sie also und hatten sich an sie gewöhnt. Wie genau es zu dem Unfall kam, ist bislang unklar. Das Opfer hatte das Gehege alleine betreten, auch eine Kameraüberwachung für diesen Bereich gibt es nicht. Die Frau hatte ihren Kollegen lediglich über Funk mitgeteilt, dass sie nun in das Gehege gehen wolle.

Als sie sich danach minutenlang nicht mehr meldete, wurde einer der Mitarbeiter unruhig und sah nach. Er fand den Körper der Frau auf dem Boden liegend in der Nähe des Zauns, die Wölfe über ihr. "Wir glauben, dass es sehr schnell gegangen ist", sagte der Chef des Tierparks, Mats Höggren, in der Zeitung "Aftonbladet". Offenbar kam der Angriff so überraschend, dass die junge Frau nicht einmal Zeit hatte, Hilfe zu holen.

Zoomitarbeiter und Retter hatten Mühe, zu dem Opfer vorzudringen, da die Wölfe sich äußerst aggressiv verhielten. Erst als die Polizei anrückte und einige der Tiere mit einem Betäubungsgewehr außer Gefecht gesetzt worden waren, konnte eine Menschenkette die sterblichen Überreste aus dem Gehege schaffen.

Zoologen verweisen darauf, dass der letzte tödliche Unfall mit einem Wolf in Schweden sich im Jahre 1827 ereignete. Doch ganz so unfassbar und unerwartet, wie Sprecher des Tierparks es glauben lassen möchten, ist der Vorfall nicht. "Probleme mit Wölfen, die mit der Hand aufgezogen wurden, sind jedem, der mit den Tieren zu tun hat, bekannt", sagt Frank Faß (38) vom Wolfscenter Dörverden.

Während wildlebende Wölfe den Kontakt mit Menschen scheuten, könne der Besuch in einem Gehege von Wölfen, die mit der Hand aufgezogen wurden, "lebensgefährlich" sein. Denn mit Erreichen der Geschlechtsreife, etwa ab dem Alter von zwei Jahren, verändere sich das Verhalten der an die Menschen gewöhnten Tiere ganz entscheidend. "Wenn wir entsprechende Zeichen bemerken, betreten wir das Gehege nicht mehr, sondern werfen das Fleisch über den Zaun", sagt der Experte.

Offenbar wurden die Zeichen im Zoo Kolmarden übersehen. So musste Zoochef Mats Höggren einräumen, das jüngst zwei Besucher von den Tieren gebissen worden seien, darunter eine 15-Jährige, die in Panik geraten sei. Auch Gäste berichteten nach dem Unfall, dass die Wölfe sich schon länger unruhig und aggressiv verhalten hätten. Die Zoo-Leitung weist diese Darstellung zurück. Doch Zoologen halten es für durchaus denkbar, dass die Tierpflegerin gestolpert und so bei den durch Rangkämpfe gestressten Tieren einen Aggressionsimpuls ausgelöst haben könnte.

Laut Faß belege der Vorfall allerdings nicht, dass der Wolf ein besonders gefährliches Tier sei: "Zoomitarbeiter würden beispielsweise nie ein Rehgehege betreten, in dem sich ein Bock befindet, der mit der Hand aufgezogen wurde. Auch der würde angreifen."

Quelle: RP
 
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