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Zahl der Unwetter soll bis 2100 um 20 Prozent steigen

Wie kommt es zu solch schweren Unwettern? "Derzeit steht schon recht lange ein Tief über Deutschland", sagt Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Zugleich strömten kühle Luftmassen aus dem Norden und feuchtwarme Luft aus dem Süden ein. "Durch die Vermischung kommt es häufig zu Starkregen und Gewittern." Nehmen solche Unwetter aufgrund des Klimawandels zu? "Global gesehen ja", sagt Hoffmann.

Er nennt zwei Gründe. "Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, dann fällt mehr Wasser runter, wenn es regnet", erklärt der Forscher. "Global sieht man eine Zunahme von Extremniederschlägen bereits." Für Deutschland allein seien die Datenmengen noch zu gering, um dies zu beweisen. Zudem bleiben Tiefdruckgebiete zunehmend länger über einzelnen Regionen stehen. Hoffmann: "Ihre Verlagerungsgeschwindigkeit verlangsamt sich." Das könne zu Extremwettern wie Überschwemmungen führen.

Wie sieht es in Deutschland aus? "Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat Hinweise darauf, dass solche Starkniederschläge häufiger werden, aber noch keine Beweise", sagt DWD-Klimaexperte Andreas Becker. "Es gibt erst seit 15 Jahren die für diese Fragestellung benötigte homogene, flächendeckende und hoch-auflösende großflächige Radarbeobachtung aus dem Wetterradarverbund des DWD". 15 Jahre seien aber klimatologisch zu kurz, um zu einer statistisch signifikanten Aussage zu kommen.

"Nach Klimamodellen soll sich die Zahl solcher Tiefdruckgebiete wie derzeit über Mitteleuropa jedoch bis 2100 um 20 Prozent erhöhen", erläutert Becker. Warum ist Starkregen so schwer vorherzusagen? "Bevor es zu Starkregen kommt, verhält sich die feuchte Atmosphäre wie brodelndes Wasser, da kann man auch nicht vorhersagen, wo die Blase aufsteigt", sagt Becker. Bei einer Gewitterzelle könne man etwa ein bis eineinhalb Stunden vorher sagen, wo sie sich entwickelt und wohin sie zieht.

Was soll man tun bei Unwetter? Viele Menschen flüchten sich vor Starkregen an tiefe Punkte wie Unterführungen. "Aber das können Fallen sein", meint Becker. "Wenn das Wasser erstmal einläuft in Unterführungen oder Keller haben sie oftmals keine Chance. Das geht so schnell." dpa

Quelle: RP
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