Claudia Roth stellt sich vor TV-Moderator: Zentralrat: Entscheidung über Friedman im Juli
zuletzt aktualisiert: 21.06.2003 - 08:53München/Frankfurt/Main (rpo). In der Drogenaffäre um Michel Friedman will der Zentralrat der Juden in Deutschland im Juli über die Zukunft seines Vizepräsidenten entscheiden. Inzwischen hat sich die ehemalige Grünen-Vorsitzende Claudia Roth vor Friedman gestellt.
Der Zentralrat will nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" Mitte Juli über die Zukunft von Michel Friedman entscheiden. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Salomon Korn, sagte dem Magazin, es werde darüber diskutiert, ob der unter Drogenverdacht stehende Friedman "ein geeigneter Repräsentant der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland" sei.
Für dessen Funktionen im Zentralrat und als Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses würden "höhere Maßstäbe gelten als zum Beispiel für Fernsehmoderatoren", so Korn. Der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, sagte "Focus", er empfinde die Geschichte um Friedman immer noch als "unvorstellbar und unwirklich, obwohl ich weiß, dass sie wahr ist". Die Vorwürfe seien "schließlich nicht vom Himmel gefallen".
Friedman war bei einem Ermittlungsverfahren der Berliner Justiz gegen einen ukrainischen Menschenhändlerring in das Visier der Fahnder geraten. Bei einer Hausdurchsuchung am Mittwoch vergangener Woche in Frankfurt fanden sie drei Tütchen mit Kokainspuren. Nach Beschwerden von Friedmans Anwalt hat die Berliner Justiz eine Informationssperre verhängt. Das Ergebnis einer Haaranalyse sollte vorerst nicht veröffentlicht werden. Für Medienberichte, wonach erste Tests Rückstände chemischer Substanzen in der Probe zu Tage gebracht hätten, gab es keine Bestätigung.
Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Roth (Grüne), hat sich in der Kokain-Affäre vor Friedman gestellt. Sie finde die Debatte um Michel Friedman "heuchlerisch", sagte Roth der "Bild"-Zeitung (Samstag): "Ich habe nämlich das Gefühl, dass manche die Vorwürfe zu einer Abrechnung mit dem Judentum nützen. Sie wollen mit Friedman die Juden auf die Anklagebank setzen. Das darf nicht geschehen."
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