BASF sieht keine Gefahren: Zwei Chemie-Pannen in Ludwigshafen
zuletzt aktualisiert: 06.09.2000 - 17:48Ludwigshafen (dpa). Gleich zwei Chemiepannen in Folge haben in Ludwigshafen am Mittwoch für Unruhe gesorgt. Wegen einer falsch angeschlossenen Pumpe liefen aus dem BASF-Werk rund zehn Tonnen Formol-Lösung in den Rhein. Die Substanz besteht nach Unternehmensangaben aus Dimethylol-Harnstoff und Formaldehyd, das als wassergefährdend eingestuft wird.
Im Stadtteil Mundenheim verschmutzte zudem am Morgen ein weißer Niederschlag unbekannter Herkunft Autos und Straßen. Es handele sich ersten Analysen zufolge um einen phosphatähnlichen Stoff, der sauer sei und möglicherweise ätzend wirken könne, sagte Bürgermeister Wilhelm Zeiser (SPD). Der Verursacher war zunächst nicht bekannt.
Die BASF ging nicht davon aus, dass von der Formol-Lösung eine Gefahr für Wasserorganismen ausgehe. Der Stoff werde im Rhein verdünnt und sei leicht biologisch abbaubar. Die Wassergütestation in Worms habe keine negativen Auswirkungen im Rhein feststellen können.
Formaldehyd steht im Verdacht, in hohen Konzentrationen und bei längerer Einwirkung Krebs zu erzeugen. Dies könne wegen der Verdünnung ausgeschlossen werden, teilte die BASF mit. Dimethylol- Harnstoff gelte als schwach wassergefährdend und sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" nicht schädlich für Wasserorganismen.
Die Panne ereignete sich, als in einem wegen Umbauarbeiten vorübergehend still gelegten Betrieb im Werkteil Nord Formol- Lagerbehälter und Leitungen mit Wasser gespült wurden. Wegen der falsch angeschlossenen Pumpe floss das Spülwasser nicht in die Kläranlage, sondern über den Kühlwasserkanal in den Rhein.
Bei der Suche nach den Verursachern des weißen Niederschlags konzentrieren sich die Behörden auf drei Chemiefirmen, die an das betroffene Gebiet angrenzen. Ein Vertreter der Firmen versicherte, in den Unternehmen habe es in den vergangenen 24 Stunden keine Betriebsstörung gegeben.
Eine Medizinerin des Ludwigshafener Gesundheitsamtes sagte, bei einem Kontakt mit der Substanz sei nicht mit Spätfolgen zu rechnen. Der Stoff habe eine unmittelbare Wirkung - "die spürt man". Die 1 400 Haushalte in dem etwa 200 mal 300 Meter großen Gebiet wurden aufgefordert, Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten vor dem Verzehr vorsorglich zu waschen und auch Spielgeräte sowie Autos zu reinigen. Bereits im August waren nach Angaben der Behörden sechs Beschwerden von Einzelpersonen über Staubniederschläge in Mundenheim eingegangen. Der Verursacher sei nicht bekannt.
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