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Washington
35.000 Dollar für Tipps von Trump

Washington. Als in den USA das Immobilienfieber grassierte, hat die "Trump University" mit weitgehend nutzlosen Seminaren vom Rausch profitiert. Von Frank Herrmann

Ronald Schnackenberg hat für Donald Trump gearbeitet, an der Wall Street Nr. 40, nur ein paar Schritte entfernt von der New Yorker Börse. Von Oktober 2006 bis Mai 2007 war er Verkaufsmanager der Trump University, wobei das mit der Universität nur als Etikett diente für eine Serie von Immobilienseminaren. Schnackenberg kündigte, als er begriffen hatte, dass Trumps Schule ihre zahlende Kundschaft "arglistig in die Irre führte", wie er später in einer eidesstattlichen Erklärung formulierte

Während sie vorgab, den Leuten helfen zu wollen, damit sie am Häusermarkt Geld machen konnten, war sie in Wahrheit nur daran interessiert, ihnen die teuersten Kurse aufzuschwatzen, möglichst das "Trump Gold Elite Package" für 35.000 Dollar.

So hat es Schnackenberg, ein Marketingspezialist aus San Francisco, in San Diego zu Protokoll gegeben, wo die Causa Trump University im Spätherbst vor Gericht verhandelt werden soll. Frühestens Mitte November, nach der Präsidentenwahl. Es geht um zwei Sammelklagen früherer Seminarteilnehmer, die dem Milliardär vorwerfen, sie mit großen Reklamesprüchen getäuscht zu haben. Manches von dem, was bereits an Aussagen zusammengetragen wurde, hat Gonzalo Curiel, der zuständige Bundesrichter, auf Antrag der "Washington Post" freigegeben. Nun sieht er sich einer Schimpfkanonade ausgesetzt, wie sie Trumps politische Rivalen bereits über sich ergehen lassen mussten, nach dem erprobten Muster des Unternehmers, mit doppelter Härte zu kontern, wenn er sich angegriffen fühlt. Curiel sei ein Mexikaner, der ihn unfair behandle, weil er an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen wolle, wettert Trump. Dass der Richter in den USA geboren wurde, im Bundesstaat Indiana, erwähnt er mit keiner Silbe.

Jedenfalls ergibt das, was schon jetzt in den Akten zu lesen ist, das Bild eines Geschäftsmanns, der kühl mit den Emotionen seiner Zielgruppe kalkuliert. Einerseits nutzte er die Angst vor sozialem Abstieg, andererseits schürte er die Hoffnung, dass man sich mit einer Art Geniestreich - unter seiner Anleitung - aller Sorgen entledigen könne. Es ist dasselbe Muster, nach dem Trump im Wahlkampf handelt. Auch deshalb ist relevant, mit welcher Masche er für seine "Universität" warb.

Falls ein potenzieller Interessent zögerte, sollte Tacheles geredet werden, steht in Anleitungen für Verkaufsgespräche. "Es ist an der Zeit, dass Sie hundertprozentig ehrlich mit sich selbst sind. Sie hatten ein ganzes Erwachsenenleben Zeit, um Ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Wenn ich mir Ihr Profil ansehe, muss ich feststellen, dass Sie weit entfernt sind von dem Punkt, an dem Sie sein müssten." Trumps Experten, darunter Mentoren, die selber bereits Millionen verdient hätten mit Immobilien, würden das ändern. "Ihr Plan ist kaputt. Wir helfen, ihn zu reparieren." Das mit den Mentoren sei ein Witz gewesen, bezeugte Jason Nicholas, ein New Yorker, der 2007 für sechs Monate bei Trump angestellt war. Den meisten Lehrern habe das nötige Fachwissen gefehlt. Schnackenberg seinerseits nennt als Beispiel einen Juwelier, über den sich Kursteilnehmer beschwerten, nachdem sie gemerkt hatten, auf welch dünnem Eis sich der Mann bewegte. Es sind Geschichten aus einer Zeit, als in Amerika das Immobilienfieber grassierte, bevor 2008 die Preisblase platzte. Häuser und Wohnungen wurden "geflippt", man kaufte sie, um sie nach ein paar Monaten weiterzuverkaufen und den Gewinn einzustreichen.

Corinne Sommer, eine dritte Angestellte der Trump University, hat geschildert, wie es funktionierte: Dem Lockvogel in Form eines kostenlosen Kurses folgte ein dreitägiges Basisseminar, mit 1500 Dollar noch relativ preiswert. Wer es absolviert hatte, sollte nun auch das 35.000-Dollar-Paket buchen, um zum Kreis der Privilegierten zu gehören, die man in die tieferen Geheimnisse des Marktes einweihen würde. Leuten, die das nicht zahlen konnten, wurde empfohlen, bei ihrer Bank um einen drei- bis vierfach höheren Kreditrahmen für ihre Kreditkarte zu bitten, notfalls auch bei mehreren Banken für mehrere Kreditkarten. Sommer erinnert sich an Obdachlose, denen ein Trump-Vertreter sagte: "Macht nichts, reizen Sie einfach Ihre Karte aus."

Quelle: RP
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