"Her mit dem schönen Leben": 40.000 Globalisierungskritiker in Köln
zuletzt aktualisiert: 14.09.2002 - 18:28Köln (rpo). Mehr soziale Gerechtigkeit und weniger neoliberale Politik. Dafür demonstrierten Samstag rund 40.000 Globalisierungskritiker in Köln.
Zu der Aktion unter dem Motto "Her mit dem schönen Leben - eine andere Welt ist möglich" hatten die Jugendverbände von fünf Gewerkschaften, das globalisierungskritische Netzwerk Attac sowie Friedensbewegung und Erwerbsloseninitiative aufgerufen. "Unsere Jugendlichen haben heute eindrucksvoll und mit fantasievollen Aktionen bewiesen, dass sie alles andere als politikverdrossen sind", so die Bilanz der Gewerkschafter.
Die Proteste richteten sich auch gegen Sozialabbau, Lohndumping, Bildungsnotstand und Umweltzerstörung. Sven Giegold, Mitglied des Attac-Koordinierungskreises, richtete eine Woche vor der Bundestagswahl seinen politischen Appell Richtung Berlin: "Ernsthafte politische Veränderung wird nur von sozialen Bewegungen erreicht. Jede neue Bundesregierung kann an der Bewegung gegen neoliberale Globalisierung nicht mehr vorbei", sagte er.
Bisherige Mittel lösen keine Gesellschaftsprobleme
"Ein Regierungswechsel bedeutet noch lange keinen Politikwechsel", erklärte Attac-Sprecherin Ariane Dettloff. "Mit den bisherigen Mitteln werden gesellschaftliche Probleme nicht gelöst, sondern geschaffen oder zugespitzt." Der rot-grünen Regierung warf Detloff vor, dass unter ihrer Führung der Sozialstaat zu Lasten der Mehrheit der Bevölkerung weiter demontiert worden sei. Aber auch eine CDU-geführte Regierung würde diesen Trend "kompromisslos weiterführen", so die Attac-Sprecherin.
Gewerkschaftsvertreter machten in ihren Reden auf den Missstand der Jugendarbeitslosigkeit deutlich. Um dem drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit Herr zu werden, forderte man eine Reform des Berufsbildungsgesetzes, die Schaffung von betrieblichen Ausbildungsplätzen, Investitionen in Schulen und Berufsschulen sowie eine gesetzliche Umlagefinanzierung.
Acht Kundgebungen in der Kölner Innenstadt
Auf acht Kundgebungen in der Kölner Innenstadt forderte Attac einen grundlegenden Politikwechsel. Allein auf Regierungshandeln sei kein Verlass mehr, hieß es von den Gewerkschaften. Redner forderten die Einführung der so genannten Tobin-Steuer auf Devisenspekulationen, einen Schuldenerlass für armen Länder des Südens sowie einen Verzicht auf Terror und Krieg. Am Nachmittag zogen die Demonstranten quer durch die Kölner Innenstadt zu den Jahnwiesen, wo die Abschlusskundgebung und ein Abschlusskonzert mit einer Reihe prominenter Musiker wie Brings, Die Firma, Reamonn und Samy DeLuxe stattfand. Nach Angaben der Kölner Polizei kam es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen.
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