| 09.50 Uhr

Berlin
50 Millionen Küken geschreddert

Berlin. Minister Schmidt will das Töten männlicher Eintagsküken 2017 beenden. Von Gregor Mayntz

Das Töten männlicher Eintagsküken, die häufig lebendig geschreddert werden, nimmt immer größere Ausmaße an. Nach Angaben des Agrarministeriums stieg die Zahl weiblicher Küken allein in Brutanlagen mit mindestens tausend Eiern im Jahresvergleich von 44,7 auf 48 Millionen. Experten gehen davon aus, dass im selben Umfang männliche Küken getötet werden, weil die aufs Eierlegen optimierte Rasse nicht für den Mastbetrieb geeignet ist. Minister Christian Schmidt reagierte bereits auf die neuen Zahlen: "Mein Ziel ist, dass das Töten männlicher Eintagsküken 2017 aufhört", sagte der CSU-Politiker unserer Redaktion.

Die Grünen wollen nächste Woche im Bundestag ein gesetzliches Verbot des Kükentötens aus wirtschaftlichem Grund erreichen. Damit ziehen sie die Konsequenzen aus mehreren gescheiterten Versuchen, gegen das Kükenschreddern gerichtlich vorzugehen. Zuletzt war die Tierrechtsorganisation Peta mit einer Strafanzeige gegen eine Brüterei im Münsterland erfolglos geblieben. Das Landgericht Münster entschied, dass sich die Kükenbrüterei nicht strafbar gemacht habe. Wenn eine jahrzehntelange Praxis anders bewertet werden solle, sei der Gesetzgeber gefordert.

Die Koalition lehnt den Grünen-Vorstoß ab. "Ein Verbot ohne Alternative würde die Geflügelhaltung lediglich ins Ausland verlagern", erklärte Schmidt. Dort habe Deutschland keinerlei Einfluss auf das Tierwohl und die Kükenhaltung. Statt dessen lässt Schmidt mit Millionenaufwand Forschungserkenntnisse marktreif machen. Künftig soll das Geschlecht bei jedem Ei binnen Sekunden vor dem Brutbeginn ermittelt werden. Zudem wird eine neue Hühnerrasse gezüchtet, die sich sowohl für die Eierproduktion der weiblichen wie auch für die Mast bei den männlichen Tieren eignet.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Berlin: 50 Millionen Küken geschreddert


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.