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Wietze
6500 protestieren gegen Massentierhaltung

Wietze. In einem Schlachtbetrieb bei Celle sollen künftig pro Woche 2,6 Millionen Hähnchen verarbeitet werden. Gegen diese Form der Lebensmittelproduktion wächst Widerstand. Unterstützung kommt von Niedersachsens Regierung.

Tausende Gegner von Massentierhaltung und industrieller Landwirtschaft haben am Wochenende im niedersächsischen Wietze bei Celle für eine Wende in der Agrarpolitik demonstriert. Die Polizei zählte rund 6500 Menschen, die nach einer Kundgebung zu einem umstrittenen Geflügelschlachthof zogen.

Der Protest sei friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Der Schlachthof gilt als einer der größten in ganz Europa. Mit zwei genehmigten Schlachtlinien besteht eine Gesamtkapazität von rund 2,6 Millionen Hähnchen – pro Woche. Nach Angaben der "Celler Land Frischgeflügel" ist erst eine der Linien gebaut und in Betrieb. Rechnerisch sind damit jetzt schon täglich fast 200 000 Schlachtungen möglich.

Unterstützung erhielten die Protestierenden unter anderem von der Grünen-Bundesvorsitzenden Claudia Roth. Sie sagte laut Mitteilung: "In der Massentierhaltung werden billiges Fleisch, Milchprodukte und Eier durch millionenfaches Tierleid und den massiven Einsatz von Antibiotika erkauft." Das sei unverantwortlich und gehöre gestoppt.

Die sogenannte Agrarwende hin zu einer dezentraleren, bäuerlich geprägten Landwirtschaft ist ein Kernziel der neuen niedersächsischen Regierung aus SPD und Grünen. Hinter dem Mastbetrieb in Celle steht die Franz-Josef Rothkötter GmbH & Co. KG. Die Unternehmensgruppe ist nach eigenen Angaben im Wesentlichen in der Hähnchenfleisch- und Mischfutterproduktion sowie der Brüterei tätig. Mit 817,7 Millionen Euro gelang dem Konzern im Geschäftsjahr 2011/2012 ein Umsatzsprung um 21 Prozent. Die Gruppe zählte zuletzt rund 2200 Mitarbeiter.

Nach Angaben der "Hannoverschen Allgemeinen" beteiligte sich auch der Grünen-Politiker Christian Meyer, der die Agrarwende als niedersächsischer Landwirtschaftsminister federführend gestalten will, an einem "agrarpolitischen Bauernfrühstück". Niedersachsen werde künftig keine Großschlachthöfe mehr fördern und die Kontrollen für die Einhaltung der bestehenden Tier- und Verbraucherschutzvorschriften verstärken, kündigte Meyer an. Auch bei den Richtlinien für Stallbauten wolle das Land den Tierschutz mehr in den Mittelpunkt rücken. Es müsse Schluss damit sein, dass den Hühnern die Schnäbel gekürzt und den Schweinen die Schwänze kupiert werden, sagte Meyer unter dem Applaus der Anwesenden. "Nicht die Tiere müssen an die Ställe angepasst werden, sondern die Ställe an die Tiere."

Rückendeckung bekam die Protestbewegung auch vonseiten der Kirche: Der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover sprach sich vor allem gegen den massenhaften Export überzähliger Geflügelteile nach Afrika aus. Es sei unverantwortlich, "wenn starke Länder ihre Macht mit Dumpingpreisen schamlos ausnutzen und in Kauf nehmen, dass armen Menschen ein Teil ihrer wirtschaftlichen Grundlagen entzogen wird", erklärte der Theologe. "Starke haben Verantwortung für Schwache", unterstrich Meister. Die Märkte in Afrika werden nach Angaben von "Brot für die Welt" mit Geflügelteilen überschwemmt, die in Europa niemand mehr haben wolle. Dadurch verlören die kleinbäuerlichen Betriebe Afrikas eine wichtige Einnahmequelle.

Quelle: RP
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