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Bonn
795 Millionen leiden Hunger

Bonn: 795 Millionen leiden Hunger
FOTO: Zörner
Bonn. Forscher sehen Ziel der Vereinten Nationen trotz großer Fortschritte in Gefahr. Von Markus Plüm

Der globale Kampf gegen den Hunger zeigt Wirkung. Zwar sind weltweit immer noch rund 795 Millionen Menschen unterernährt - das allerdings sind 47 Millionen weniger als noch 2014. Das geht aus dem gestern vorgestellten Welthunger-Index 2016 (WHI) hervor, der bereits zum elften Mal von der Welthungerhilfe mit Sitz in Bonn, dem International Food Policy Research Institute sowie der irischen Organisation Concern Worldwide herausgegeben wurde.

Im Vergleich zum Referenzjahr 2000 ist der Index-Gesamtwert von 30 auf 21,3 zurückgegangen (minus 29 Prozent). Insgesamt 22 Länder hätten erhebliche Fortschritte erzielen und ihre WHI-Werte um mehr als 50 Prozent senken können - der größte prozentuale Rückgang wurde in Ruanda, Myanmar und Kambodscha registriert. 70 weitere Länder wiesen mit einer Reduzierung ihrer Werte um 25 bis 50 Prozent ebenfalls beträchtliche Verbesserungen auf. Industrienationen wie Deutschland wurden nicht berücksichtigt, ebenso tauchen mangels verwertbarer Daten Krisenländer wie Syrien, Eritrea oder Somalia nicht im Index auf.

Der WHI-Wert wird auf Basis von Daten verschiedener UN-Organisationen, der Weltgesundheitsorganisation und der Weltbank ermittelt. Vier Indikatoren liegen der Messung von Hunger und Unterernährung zugrunde: der prozentuale Anteil von Unterernährten an der Bevölkerung, die prozentuale Verbreitung von Auszehrung (Gewicht im Verhältnis zur Körpergröße) und Wachstumsverzögerung (Körpergröße im Verhältnis zum Alter) bei Kindern unter fünf Jahren sowie deren Sterblichkeitsrate.

"Wir haben wichtige Erfolge in der Hungerbekämpfung erzielt", sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, bei der Vorstellung der Ergebnisse. Allerdings bedürfe es weiterer entschiedener Anstrengungen, um das "Null-Hunger-Ziel" der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2030 zu erreichen. "Gerade die Situation in Afrika südlich der Sahara zeigt, dass wir noch lange nicht am Ziel sind." Fünf der sieben als "sehr ernst" eingestuften Länder liegen dort, hinzu kommen Haiti und der Jemen (s. Grafik). In weiteren 43 Ländern ist die Lage nach Einschätzung der Experten "ernst". Die Gründe für anhaltende Unterernährung in diesen Ländern seien hauptsächlich Krieg und politische Unruhen.

Daher forderte Dieckmann ein stärkeres politisches Engagement, um Konflikte zu beenden - aber auch eine Neuausrichtung in der internationalen Agrarpolitik: "Landwirtschaft muss zuerst die Ernährung sichern und nicht für unsere Energiebilanz verwendet werden."

Quelle: RP
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