Bensberg (dpa/lnw). Leichte Erdbeben ereignen sich im nördlichen Rheinland nach Auskunft des Erdbebenzentrums der Universität Köln recht häufig. "Alle zwei bis drei Jahre kommt es zu einem Beben dieser Stärke im nördlichen Rheinland, der Region zwischen Hunsrück, Eifel und niederrheinischer Bucht", sagte Klaus-Günter Hinzen, Leiter des Bebenzentrums in Bensberg, am Donnerstag in einem dpa-Gespräch.
Am Morgen hatte ein Erdbeben der Stärke 3,7 auf der Richterskala zwischen Köln und Koblenz bei vielen Menschen Besorgnis erregt. Das Epizentrum lag bei Meckenheim (Rhein-Sieg-Kreis) in der Nähe von Bonn. Personen- und Sachschäden wurden bei der Polizei nicht gemeldet.
Im Vergleich zu dem stärksten Erdbeben der vergangenen Jahre, das 1992 das Grenzgebiet zu den Niederlanden mit einer Stärke von 5,9 auf der Richterskala erschüttert hatte, setzte das jüngste Beben eine Erschütterungsenergie frei, die 1 000 Mal schwächer war. Auch die Bodenbewegungen seien 100 Mal kleiner gewesen, berichtete Hinzen. "Die Leute sind aufgewacht, die Betten wackelten", beschrieb er die Auswirkungen des leichten Bebens am Donnerstag. Schranktüren und Geschirr habe geklappert, als wenn ein starker Lastwagen vorbeifahre. Teilweise sei ein deutliches Geräusch, wie ein Grummeln, vernehmbar gewesen.
"Schwächere Beben, die man nicht spürt, gibt es häufiger, mehrere in der Woche." Grund für Erdbeben in der Region sind nach Worten von Hinzen geologische Störungen im Untergrund. Dort seien Risse in den oberen 30 Kilometern der Erdkruste und Spannungen vorhanden, erklärte der Seismologe. Es entstehe eine so genannte Druck-Zug-Spannung, da sich Afrika in Richtung Europa bewege. "Diese Spannungen in der Erdkruste setzen sich fort und führen in der Region zu Erdbeben."
"Es gibt keine zuverlässigen wissenschaftlichen Vorhersagen für Erdbeben", betonte er. Es könne nicht vorhergesagt werden, ob es zu Erschütterungen komme, wann, wo und wie stark sie sein würden. Möglich seien allerdings Prognosen, die aber nur die statistische Wahrscheinlichkeit wiedergäben. "Nachbeben im klassischen Sinne sind bei Erdbeben dieser Stärke nicht zu erwarten." Dafür sei das Beben zu schwach gewesen. Völlig ausschließen könne man sie aber auch nicht.
Quelle: RPO Archiv