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Der Mordanschlag auf die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto droht das Land in eine Krise mit internationalen Auswirkungen zu reißen. Wir erklären, wo genau die Gefahren liegen.
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Wo liegen die Gefahren?Schon kurz nach dem Attentat ist es zu Gewaltausbrüchen mit vielen Toten gekommen. Wenn die dreitägige Trauerzeit vorbei ist, kann sich die Wut auf Staatschef Musharraf und die Islamisten als Befürworter eines Gottesstaates in bürgerkriegsähnlichen Gewaltausbrüchen entladen. Pakistan würde destabilisiert.
Wer wäre der Nutznießer?In erster Linie alle Radikalen, die die Regierung als Handlanger der USA sehen und Musharraf verjagen wollen, weil er als Partner der USA den Kampf gegen den Terrorismus ficht. Pakistan hat starke gesellschaftliche Gruppen, die nichts miteinander verbindet, die Gewalt als Mittel der Konfliktlösung sehen.
Was bedeutet der Mord an Bhutto?Er ist ein ungeheurer Schlag für die Demokratisierungsbemühungen. Die von Bhutto verkörperte Opposition ist nun kopflos. Bhutto stand für Modernisierung, für die Stärkung der Rechte der Frauen und für den Kampf gegen Extremisten. Sie war für eine westliche Orientierung Pakistans. Es gibt niemanden, der ihren Platz einnehmen könnte. Sie hatte sich als Parteiführerin auf Lebenszeit wählen lassen. Insofern fehlen die personellen Alternativen.
Gibt es eine Alternative zu Musharraf?Zurzeit nicht. Präsident Musharraf will die Demokratisierung Pakistans fortsetzen. Das garantiert ihm die Unterstützung des Westens. Er hat die Führung der Armee abgegeben, den Ausnahmezustand zurückgenommen und Wahlen angesetzt. Ob es dabei bleibt, hängt allerdings von der inneren Entwicklung Pakistans ab. Musharraf wird kein Vakuum hinnehmen, das die Islamisten besetzen könnten. Immerhin ist Pakistan Atomstaat.
Bleibt es beim Wahltermin?Im Augenblick ja. Das Problem ist nur: Welche Aussagekraft kann eine Wahl haben, wenn die Oppositionsparteien sie am 8. Januar boykottieren? Kann die Wahl frei sein angesichts von Gewalt und Chaos? Musharraf muss angesichts der Wichtigkeit in dieser Frage den Konsens aller Parteien suchen.
Wer regiert die Armee?Das ist offen. Noch steht sie zum Staatspräsidenten, der nach seiner Wiederwahl an die Staatsspitze auf die Loyalität seines Nachfolgers in der Armeeführung setzt. Es ist aber bekannt, dass Teile der Armee wie auch des Geheimdienstes ISI mit Islamisten sympathisieren.
Haben die USA Fehler gemacht?Sie haben sicherlich zu lange auf Musharraf als alleinigen Machtfaktor gesetzt. Das kann sich rächen, sollte er im Rahmen schwer kontrollierbarer Unruhen die Macht verlieren.
Wieso ist der Westen betroffen?Im Nachbarland Afghanistan ist die Nato mit 40000 Soldaten vertreten, 2500 von ihnen stellt Deutschland. Pakistan ist auch Nachschublinie für die Truppenversorgung. Fällt dies weg, ist die Afghanistan-Mission, die stabile politische Verhältnisse in Afghanistan bringen soll, in großen Teilen gefährdet.
Die vom Westen Pakistans operierenden Al-Qaida-Terroristen wollen mit allen Mitteln verhindern, dass sich Afghanistan politisch stabilisiert. Das würden sie und die von dort vertriebenen Taliban als Niederlage empfinden. Bringen sie den Westen unter Druck, treiben sie dessen Verbündeten Pakistan in die Enge. Ihre Anhänger würden das als Sieg im Heiligen Krieg propagandistisch nutzen.