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London
Abschied von der Eisernen Lady

London. Großbritannien hat Margaret Thatcher die letzte Ehre erwiesen. So viel Pomp für einen toten Regierungschef gab es nicht, seit Churchill starb. Von Alexei Makartsev

Um zehn Uhr blieb das gewohnte Schlagen der Turmuhr über dem britischen Parlament aus. Big Ben schwieg – als Zeichen der Trauer um Margaret Thatcher. Das gab es zuletzt beim Begräbnis Winston Churchills vor 48 Jahren. Mit Pomp, Pathos und militärischen Ehren hat sich Großbritannien von seiner verehrten und umstrittenen Eisernen Lady verabschiedet. Die bisher einzige Premierministerin des Königreichs war am 8. April gestorben.

Die Trauerfeier mit einer Prozession durch die abgesperrte Londoner City und dem Gottesdienst in der St.-Paul's-Kathedrale vor 2300 teils hochrangigen Gästen verlief dank massiver Polizeipräsenz ohne Zwischenfälle. Als die Trauerprozession durch die Innenstadt zog, gab es vereinzelt Beifall, doch das verbreitetste Geräusch war das Klicken der Fotokameras. Manche Zuschauer hatten hinter den Absperrungen übernachtet, um das historische Ereignis hautnah erleben zu können. 700 Soldaten und Veteranen des Falkland-Kriegs nahmen am Trauerzug teil.

Es gab friedliche Proteste in den Straßen, die von 4000 Polizisten überwacht wurden. So hielten zwei junge Frauen ein Banner mit der Aufschrift: "Für die Menschen, die sie durch Armut und Krieg getötet hat". Ein Mann hatte "Ruhe in Schande" auf sein Plakat gepinselt. Unter Buh-Rufen drehten Hunderte der Lafette mit dem Sarg den Rücken zu. Auf anderen Bannern standen jedoch auch Würdigungen wie "Danke, Maggie" und "Wir haben sie geliebt".

Der Sarg war im Westminster-Palast, dem Parlamentsgebäude, über Nacht in einer Kapelle aufgebahrt worden, damit sich Familie und Abgeordnete verabschieden konnten. Der öffentliche Teil des Abschieds endete mit dem Gottesdienst im Beisein der Queen. Auch dies ist eine Ausnahme – Elizabeth II. hat seit Churchill keinen Regierungschef so geehrt. Thatchers Leichnam soll nun eingeäschert werden.

(RP/gre)
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