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Ex-Vertrauter gibt nach dessen Tod Interview frei: Abu Nidal möglicher Drahtzieher des Lockerbie-Anschlags

zuletzt aktualisiert: 23.08.2002 - 06:58

Kairo (rpo). Nach dem Tod von Terroristenführer Abu Nidal wurde jetzt bekannt, dass er möglicherweise Drahtzieher des Bombenanschlags auf den PanAm-Jet von Lockerbie gewesen sein soll.

Das sagte ein ehemaliger Vertrauter Nidals, Atef Abu Bakr, in einer Interviewserie der arabischen Zeitung "El Hajat".

Abu Nidal habe die Urheberschaft fünf Führungsmitgliedern seiner Gruppe Fatah-Revolutionärer Rat mitgeteilt. Der 56-jährige Abu Bakr gehörte von 1985 bis 1989 zu den engsten Mitarbeitern Abu Nidals. Bei dem Anschlag auf einen amerikanischen Pan-Am-Jumbo wurden am 21. Dezember 1988 über der schottischen Ortschaft Lockerbie 270 Menschen getötet.

Abu Bakr erteilte der Zeitung erst die Freigabe für seine Äußerungen, nachdem der Tod Abu Nidals bestätigt wurde, sagte Ghassan Scharbal, der die Interviews nach eigenen Angaben vor dieser Nachricht führte. Abu Bakr erklärte, Abu Nidal habe die fünf Teilnehmer des Treffens zum Stillschweigen über die Lockerbie-Urheberschaft verpflichtet. "Wenn einer von euch auch nur ein Wort sagt, bringe ich ihn um - und wenn er in den Armen seiner Frau liegt", soll Abu Nidal nach Angaben Abu Bakrs gedroht haben. Abu Bakr sagte nicht, wann und wo das Treffen stattgefunden habe, auf dem Abu Nidal mitgeteilt habe: "Berichte, die Lockerbie anderen zuschreiben, sind gelogen. Wir stecken dahinter."

Blutiger Machtkampf

1989 war Abu Nidals Gruppe in einem blutigen Machtkampf um die künftige Richtung. Rund 200 Mitglieder wurden damals getötet, und hunderte weitere, darunter Abu Bakr, verließen fluchtartig Libyen, das Abu Nidals zehn Jahre Unterschlupf gewährt hatte. Abu Bakr sagte, Abu Nidal habe die Gastfreundschaft Libyens missbraucht, in dem er seine eigenen Anhänger umgebracht habe und libysche Regierungsmitglieder ausspioniert habe.

Nach den Anschlägen hatte das US-Außenministerium damals berichtet, ein anonymer Anrufer habe der US-Botschaft am 5. Dezember in Helsinki mitgeteilt, dass ein Bombenanschlag auf ein Pan-Am-Flugzeug auf dem Weg von Frankfurt/Main nach den USA geplant werde. Der Anrufer habe sich als Mitglied der Gruppe Abu Nidals bezeichnet.

In diesem März wurde von einem schottischen Berufungsgericht das Urteil gegen den ehemaligen libyschen Geheimdienstagenten Abdel Basset Ali el Megrahi wegen 270-fachen Mordes bestätigt. El Megrahi wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Mitangeklagter, Lamen Chalifa Fhimah, wurde freigesprochen.

Quelle: RPO Archiv

 
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