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Hamburg
Ärzte streiten über Milliardenhonorare

Hamburg. Präsident Montgomery wäre beinahe über die Gebührenordnung gestürzt.

Im Streit um eine Reform der Milliardenhonorare haben Deutschlands Ärzte ihrem Präsidenten Frank Ulrich Montgomery den Rücken gestärkt. Seine Kritiker scheiterten auf dem Ärztetag in Hamburg klar mit einem Antrag auf Amtsenthebung. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) forderte die zerstrittene Ärzteschaft zur Beendigung ihrer Auseinandersetzungen auf.

Der Ärztetag lehnte die Behandlung eines Antrags auf Absetzung Montgomerys ab. Der Antrag von 15 Delegierten bekam 148 Nein- und 85 Ja-Stimmen. Für die Absetzung wäre eine Dreiviertelmehrheit nötig gewesen, für die Ergänzung der Tagesordnung durch den Abwahlantrag nur eine einfache Mehrheit. In hitziger Debatte hatten mehrere Vertreter vor einem Gesichtsverlust der Ärzteschaft in der Öffentlichkeit gewarnt.

"Wir sind in einer grundsätzlichen Vertrauenskrise", räumte Montgomery ein. Im Zentrum stand der Streit um eine neue Gebührenordnung (GOÄ), mit der die Ärzte Honorarbeträge von mehr als 16 Milliarden Euro jährlich überwiegend von Privatpatienten abrechnen. Eine Reform des völlig veralteten Regelwerks war trotz jahrelanger Gespräche zwischen Ärztekammer und privater Krankenversicherung vorerst gescheitert.

Gröhe warb energisch für einen gemeinsamen Vorschlag von Ärzten, privater Krankenversicherung und den Trägern der Beamten-Beihilfe, auf deren Basis die Politik eine neue GOÄ beschließen kann. Eine neue Systematik sei nötig. Viele heute gängige Therapien sind in dem Regelwerk gar nicht aufgeführt.

Montgomery räumte Versäumnisse bei der Ausarbeitung des Regelwerks ein. "Es gibt durchaus Grund zur Kritik." Er habe die Komplexität der Reform unterschätzt. Der Ärztepräsident kündigte an, das Projekt zur Chefsache zu machen.

(dpa)
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