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AfD stellt sich für Landtagswahl auf
"Nordrhein-Westfalen muss wieder deutsch werden"

AfD stellt sich für Landtagswahl 2017 in NRW auf
Ein "Land, in dem sich Frauen nachts wieder in Miniröcken auf die Straße trauen", wünscht sich Spitzenkandidat und AfD-NRW-Chef Pretzell. FOTO: dpa, dan kde
Düsseldorf. Die Besetzungen der Listenplätze für die Landtagswahl spiegeln die Wählerschaft der jungen Partei wider: heterogen und noch nicht allzu entschlossen, was konkrete Inhalte und Forderungen betrifft. Von Julia Rathcke

Basisdemokratie hat auch ihre Nachteile. Jedem Delegierten das Recht einzuräumen, um einen Listenplatz für die Landtagswahl 2017 zu kandidieren, jedem sieben Minuten Vorstellungszeit zu geben, ihm bis zu fünf Fragen vom Plenum stellen zu lassen, um dann analog solange abzustimmen, bis jemand das Quorum erreicht – all das dauert.

Für ihre Landeswahlversammlung hatte der Landesverband der NRW-AfD zwei Wochenenden angesetzt, doch die vier vollen Tage in Soest und Werl werden nicht ausreichen. Sollte die AfD im Mai 13 Prozent erreichen, wie es in aktuellen Umfragen heißt, könnte sie mit rund 30 Sitzen rechnen.

Bislang nur drei Frauen auf der Liste

Unter den ersten 20 Plätzen sind sowohl Juristen, Unternehmer und Ärzte als auch Händler, Heilpraktiker und Lehrer, Menschen ohne politische Erfahrung sowie ehemalige Mitglieder von CDU, FDP und SPD; es sind zumeist um die 50 Jahre alte Familienväter und (bislang) drei Frauen, die für die AfD im Mai 2017 wohl in den Landtag einziehen werden.

Die meisten der Kandidaten scheinen finanziell unabhängig und motiviert mitzumischen. "Wenn ich jetzt in die CDU eingetreten wäre, denken Sie, ich könnte da etwas mitentscheiden?", sagt Gabriele Walger-Demolsky, die auf Listenplatz 15 gewählt worden ist.

Die Sprecherin im Kreisverband Bochum möchte mitreden, und die AfD sei eben eine Bürger-Partei, die das zulasse. Als Euro-Gegnerin 2013 eingetreten, betreut die 52-Jährige im Bochumer Rat die Themen Zuwanderung und Integration, die sie auch im Landtag zu ihrer Aufgabe machen will. "Wir wollen gar keine Obergrenze, wir haben gute Gesetze, aber wir wollen, dass diese strikter gehandhabt werden."

Verbesserungsvorschläge bleiben aus

Ganz so liberal klingen die Antrittsreden der Kandidaten nicht immer. "In tiefster Sorge um Deutschland" sprechen viele, von "Massenzuwanderung" und Millionen Menschen, die man gar nicht integrieren könne.

Ein "Land, in dem sich Frauen nachts wieder in Miniröcken auf die Straße trauen", wünscht sich Spitzenkandidat und AfD-NRW-Vorsitzender Marcus Pretzell. Der Vorsitzende der Jungen Alternative, Sven Tritschler, findet: "Nordrhein-Westfalen muss wieder deutsch werden." Er wird auf Platz 13 gewählt. Das Lotterleben im Landtag sei im Mai vorbei, kündigt er an.

Wie sie die angemahnten Missstände rund um Zuwanderung, Infrastruktur und Kriminalität konkret verbessern wollen, lassen die AfD-Anhänger offen. Ebenso offen ist, in welche Richtung der Wahlkampf geht. Thomas Röckemann, der Spitzenkandidat Pretzell im Kampf um Platz eins anfangs noch Paroli bot, ließ sich auf Platz 16 wählen.

Das Wahlprogramm der NRW-AfD soll in redigierter Form erst zum Jahreswechsel veröffentlicht werden. Proteste gab es in Soest und in Werl aber jetzt schon.

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