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Soest
AfD wählt Pretzell zum NRW-Spitzenkandidaten

Soest. Beim Parteitag in Soest kommt der Landesvorsitzende allerdings auf lediglich 54 Prozent. Von J. Rathcke und T. Reisener

Der große Jubel bei der AfD in Nordrhein-Westfalen blieb aus. Denn während die Partei mit etwa 21 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern Stärke und Einigkeit demonstrierte, scheint der Landesverband acht Monate vor der Wahl gespalten: Nur 54 Prozent der 400 Delegierten wählten am Wochenende den Landesvorsitzenden Marcus Pretzell zum Spitzenkandidaten für 2017. Gegenkandidat Thomas Röckemann aus dem Kreisverband Rhein-Sieg bekam 44 Prozent. Auch wenn seine Partei im Nordosten jubelte, wollte Pretzell das gute Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern auf Anfrage unserer Redaktion nicht kommentieren.

Vier Tage nimmt sich der Landesverband Zeit für die Wahl seines Personals. Die Landeswahlversammlung in Soest wird nächstes Wochenende in Werl fortgesetzt. Vier Stunden allein braucht es, um die Formalien zu klären: Bewerber müssen ein polizeiliches Führungszeugnis, einen Nachweis über ihre Beitragszahlungen an die Partei, Ausbildung und Arbeitsverhältnisse und eine Erklärung zur Loyalität vorlegen.

Als es um die ersten Listenplätze geht, zeigen sich die Grabenkämpfe, die seit Monaten die Bundesspitze um Frauke Petry und Jörg Meuthen belasten, auch auf Landesebene. Nach der Rede Pretzells erhebt sich nur die Hälfte der Delegierten. Die anderen stehen für Gegenkandidat Röckemann auf. Der Rechtsanwalt aus Minden, der auch Schiedsrichter im AfD-Bundesverband ist, will "klare Kante zeigen" gegen Kanzlerin Merkel und NRW-Chefin Kraft - "beide müssen weg". Als vierfacher Vater wisse er, wie man mit schwierigen Situationen umgehe. Er kündigt einen Wahlkampf an, bei dem "die Presse und die anderen Parteien Schnappatmung bekommen." Ähnlich scharf spricht zuvor Pretzell von NRW als Land des "Zerfalls und der Verwesung", vom "Staatsversagen auf allen Ebenen" in der Flüchtlingskrise und von einem "Niedergang der Gesellschaft". Nur die AfD könne das Land retten, für das er sich wünsche, dass Frauen wieder im Minirock ohne Angst rausgehen könnten. Als Wahlkampfthemen betonen die Kandidaten Familien- und Sicherheitspolitik.

Dass er nur mit knapp über 50 Prozent gewählt worden ist, nimmt Pretzell vermeintlich gelassen: Auch außerhalb von NRW gebe es "Spielchen zwischen führenden Parteifreunden". Parteichefin und Lebensgefährtin Frauke Petry, die ihn in Soest begleitet, lächelt und nickt: "Niemand hat hier mit 90 Prozent Zustimmung gerechnet." Eine Spaltung der Partei gebe es aber nicht. Pretzell sagt: "Ich erwarte von allen Mitgliedern, dass sie den Spitzenkandidaten Pretzell unterstützen, und ich bin mir sicher, sie werden es tun."

Quelle: RP
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