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Persönlich
Akin Öztürk . . . soll Drahtzieher des Putschs sein

So dilettantisch der Putschversuch in der Türkei auch wirkt - irgendjemand muss die blutjungen, verunsichert wirkenden Soldaten auf die Straße befohlen haben. Die türkische Regierung beschuldigt Akin Öztürk, dieses "Mastermind" zu sein - und ein Anhänger von Erdogans Erzfeind Fethullah Gülen sowieso. Öztürk (64), der die Vorwürfe bestreitet, gehört zur Elite des Landes. Bis vor einem Jahr war er Chef der Luftwaffe, bis zuletzt noch Mitglied des mächtigen Militärrats, der die Strategie der Streitkräfte festlegt sowie über Beförderungen entscheidet. Öztürk selbst wäre in sechs Wochen pensioniert worden. Von Cenk Çigdem/tobias Jochheim

Stattdessen wird er am Samstag wegen Hochverrats festgenommen. Er trägt ein schmutziges Polohemd, ein Mann in Zivil fesselt ihn mit Kabelbindern. Öztürk hat Schürfwunden im Gesicht und an den Armen, ein Ohr ist komplett bandagiert. Sein Gesichtsausdruck wechselt zwischen Trotz und Niedergeschlagenheit. Er sei unschuldig, habe "alles versucht, um den Putsch zu stoppen", versichert er.

Der versuchte Staatsstreich hatte auf dem Luftwaffenstützpunkt Akinci nahe Ankara begonnen. Von dort starteten F 16-Kampfjets, die im Tiefflug über Istanbul und Ankara jagten sowie offenbar auch Parlamentsgebäude und Präsidentenpalast bombardierten, angeblich auf Öztürks Anordnung. Die fragliche Basis steht unter dem Befehl von Öztürks Schwiegersohn, der laut der türkischen Zeitung "Hürriyet" nicht in den Putsch-Plan eingeweihte Soldaten nach Hause schickte. Öztürk selbst habe einen Militärhubschrauber zu einer Hochzeit geschickt, an der viele ranghohe Luftwaffenoffiziere teilnahmen. Um sie als Geiseln zu nehmen und um nach Ausschaltung jedes Widerstandes Erdogans Platz einzunehmen, heißt es vonseiten der Regierung. Um sie vor den Putschisten zu schützen, sagt Öztürk.

Der in der anatolischen Provinzhauptstadt Gümüshane aufgewachsene Mann hatte bei der Luftwaffe schnell Karriere gemacht. Nach Abschluss der Luftwaffenakademie 1973 zunächst als Jetpilot, später als Offizier. Zwischen 1996 und 1998 diente er als Militärattaché in Israel, wurde später Brigadegeneral, Generalmajor, Generalleutnant, 2013 schließlich Viersternegeneral sowie der 30. Kommandeur der Luftwaffe. Heute nennt ihn Erdogan eines der "Krebsgeschwüre im Staat", von denen dieser nun "gesäubert" werde.

Quelle: RP
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