Börsenfieber bringt Zocker zusammen: Aktienclub statt Lottogemeinschaft
zuletzt aktualisiert: 26.03.2000 - 11:39München (AP). Das Börsenfieber hat die Deutschen gepackt, doch nicht jeder traut sich allein auf das "Parkett". Wer den Alleingang scheut, dem bleibt immer noch die Möglichkeit des Aktienclubs. "Spekulieren in der Gemeinschaft ist der beste Weg, um das Börsen-ABC optimal zu lernen", ermuntert Renate Feller, Expertin bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf, alle Einstiegswilligen.
Schätzungsweise 5500 bis 6000 Investmentclubs gibt es inzwischen bundesweit mit mehr als 120.000 Mitgliedern. Und ihre Zahl legt stetig zu. Statt zu Tippgemeinschaften schließen sich immer mehr Bürokollegen, Nachbarn und Freunde zum Privatkreis von Aktieneinsteigern zusammen, wie Feller berichtet. Nach ihrer Erfahrung bietet ein solches Netzwerk von Gleichgesinnten viel Spielraum zum Üben. "Das Risiko ist auf alle gleichmäßig verteilt, man hilft und berät sich und kann so angstfreier die ganze Palette am Kapitalmarkt durchprobieren", fasst Feller einige Vorteile zusammen.
Vor allem reine Frauenclubs seien schwer im Kommen, bestätigt auch Marion Dölker von der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre (SdK). Statt Kaffeeklatsch oder Kegeltreff ist mindestens ein Mal im Monat der Austausch über Anlagestrategie, Kaufen oder Verkaufen angesagt. Und bricht der Markt einmal ein, kann man sich gegenseitig Mut zusprechen und vor Panikverkäufen schützen. "Ein Hobby, das noch Geld einbringt", lacht Feller.
Die Grundidee von Investmentclubs ist recht simpel: Man trommele einige Freunde, Bekannte oder Kollegen zusammen, zahle in eine gemeinsame Kasse ein, eröffne ein Depot und kaufe von dem Geld Wertpapiere. Anlagestrategie und Risiko werden zusammen diskutiert und festgezurrt.
Beginnen sollten die Aktiensparer mit einer Einmalzahlung von bis zu 1000 Mark pro Person, empfehlen die Experten der DSW. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Pro Monat fließt dann Geld für den Aktienkauf nach. Jeder Clubsparer lässt regelmäßig Raten zwischen 50 und 300 Mark - je nach Finanzkraft - in den gemeinsamen Topf wandern. Das durchschnittliche Depotvermögen der Clubs liegt bundesweit bei rund 100.000 Mark und kann bis zu einer Million Mark und mehr betragen, rechnet die DSW vor.
Bei Clubgründung auf Nummer sicher gehen
Wer Anschluss an einen kleineren Investmentclub in Heimatnähe sucht, wird meist kein Glück haben. Viele Gruppen sind eingeschworene Kreise, die keine Neulinge mehr aufnehmen, meint Marion Dölker. Möglich ist auch, den großen Vereinigungen wie dem Münchner Wertpapier- oder dem Stuttgarter Aktienclub beizutreten. Aktives Engagement ist dann allerdings weniger geboten: Man beteiligt sich am bestehenden Gemeinschaftsdepot.
Kann man Gleichgesinnte mobilisieren, sollte man lieber einen eigenen Club gründen. Wichtig ist immer, dass alle Beteiligten langfristige Sparziele haben. Zocker, die auf die schnelle Mark an der Börse aus sind, bringen nur Unruhe, betont Feller. Um die Kontoführung überschaubar zu halten, ist ein Ausstieg aus einem Aktienclub laut Satzung nur zum Ende eines Jahres erlaubt.
Was eine Clubgründung etwas komplizierter werden lässt, ist der rechtliche und steuerliche Rahmen. Interessenten sollten auf Nummer sicher gehen und eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) ins Leben rufen mitsamt Geschäftsführer, Schatzmeister und Protokollführer. "Es kann um eine Menge Geld gehen. Vertrauen unter Freunden ist zwar gut, ein Vertrag aber immer besser", sagt Feller. Eine GbR erlaubt bis zu 30 Mitglieder. Bis zu dieser Grenze ist der Club nicht steuerpflichtig, nur der einzelne Teilnehmer.
Neben Kleinanlegervereinigungen helfen auch einige Direktbanken Clubgründern beim Start. Bei der Münchner Direkt Anlage Bank ist das Depot beispielsweise kostenlos. Gründungs- und Startinformationen sind unter der Service-Nummer 01802-254500 zu bekommen. Noch in diesem Jahr will die Direkt Anlage Bank einen Cyber-Investment-Club via Internet ins Leben rufen. Die Mitglieder treffen sich dann nicht mehr persönlich, sondern nur noch virtuell im Netz, um ihre Anlageentscheidungen zu treffen. Starthilfe bietet unter anderem auch die Consors-Bank in Nürnberg unter 01803-252511.
Einen Mustervertrag sowie laufende Betreuung bekommt man bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Postfach 140243 in 40072 Düsseldorf. Der DSW-Gründungs-Leitfaden für zehn Mark kann per Fax: 0211/669760 angefordert werden.
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