Geheimverhandlungen mit Regierung: Albanische Rebellen erklären Waffenstillstand
zuletzt aktualisiert: 15.06.2001 - 17:02Skopje (rpo). Nach einem geheimen Treffen der Konfliktparteien haben die albanischen Rebellen in Mazedonien einseitig einen zweiwöchigen Waffenstillstand ausgerufen. Damit wollen sie Voraussetzungen für einen Dialog mit der Regierung schaffen, erklärte die Nationale Befreiungsarmee.
Der politische Führer der Rebellen, Ali Ahmeti, begrüßte am Freitag eine gemeinsame Initiative, die NATO-Generalsekretär George Robertson und der EU-Beauftragte für die Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, am Tag zuvor begonnen hatten. Die Vorsitzenden der politischen Parteien von slawischen Mazedoniern und Albanern wollten in Skopje Gespräche über den Friedensplan von Präsident Boris Trajkovski aufnehmen, die hinter verschlossenen Türen geplant sind.
Ahmeti erklärte am Tag nachdem er von der NATO eine Friedenstruppe für Mazedonien gefordert hatte, die Waffen der albanischen «Nationalen Befreiungsarmee» (UCK) sollten bis zum 27. Juni ruhen. «Damit sollen die Bedingungen für einen Dialog geschaffen werden», hieß es in der Erklärung. «Die UCK verfolgt mit besonderem Interesse alle Entwicklungen auf internationaler Ebene und in Mazedonien für ein Ende der Kämpfe.»
Die NATO würde nach den Worten Solanas bei einer friedlichen Lösung des Konflikts in Mazedonien Hilfe leisten. «Das bezieht sich aber nur auf das Einsammeln von Waffen der Rebellen», sagte er am Freitag am Rande des EU-Gipfeltreffens in Göteborg. Er bekräftigte damit eine Zusage von NATO-Generalsekretär George Robertson. «Wir sprechen über Sicherheitsmaßnahmen, nicht über einen militärischen Einsatz», sagte ein EU-Diplomat in Göteborg. «Der mazedonische Präsident Boris Trajkovski hat um Hilfe gebeten und die NATO prüft das. Es geht um die Sicherheitsaspekte in seinem Friedensplan», sagte der Diplomat.
In militärischen Kreisen der NATO wurde erneut betont, dass das Bündnis kein militärisches Eingreifen in dem Konflikt zwischen den mazedonischen Regierungstruppen und den albanischen Rebellen beabsichtige. Nicht ausgeschlossen wurde im NATO-Hauptquartier, dass einzelne NATO-Staaten bereit seien, der mazedonischen Regierung zu helfen.
Trajkovski hatte am Donnerstag eine Intervention der NATO mit einer Friedenstruppe in Mazedonien abgelehnt. Es sei aber nötig, die NATO an Punkten wie der Entwaffnung der Rebellen zu beteiligen. Sein Vorschlag zielt auf eine Isolierung der UCK, ein Aufbauprogramm für zerstörte Häuser, Amnestieangebote und ein Entwaffnungsprogramm.
Dagegen haben die Rebellen in einem eigenen Friedensplan Bedingungen für ein Ende des Kampfes genannt. Sie fordern eine NATO- geführte Friedenstruppe und eine Generalamnestie für die Rebellen. Dann müsse es mit internationaler Vermittlung und Beteiligung der UCK Verhandlungen über die politischen Forderung der Albaner geben.
Ungeachtet der verkündeten Waffenruhe hielt der Flüchtlingsstrom von Albanern ins benachbarte Kosovo an. Allein in der zurückliegenden Woche hätten 28 000 Menschen ihre Heimat in Mazedonien aus Furcht vor dem Bürgerkrieg verlassen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Freitag in Genf mit. Männlichen Familienangehörigen sei in vielen Fällen die Ausreise von mazedonischen Grenzbeamten verweigert worden. Außer einer großen Zahl von Albanern sind dem UNHCR zufolge auch Serben und slawische Mazedonier auf der Flucht. In Serbien seien in der vergangenen Woche 3500 Flüchtlinge eingetroffen.
UNHCR: 28 000 Menschen in einer Woche geflüchtet
Ungeachtet des Waffenstillstands in Mazedonien hält der Flüchtlingsstrom von Albanern ins benachbarte Kosovo weiter an. Allein in der zurückliegenden Woche hätten 28 000 Menschen ihre Heimat in Mazedonien aus Angst vor dem Bürgerkrieg verlassen, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Freitag in Genf mit. Männlichen Familienangehörigen sei in vielen Fällen die Ausreise von mazedonischen Grenzbeamten verweigert worden.
Außer einer großen Zahl von Albanern sind dem UNHCR zufolge auch Serben und Mazedonier auf der Flucht. In Serbien seien in der vergangenen Woche 3500 der insgesamt 28 000 Flüchtlinge aus Mazedonien eingetroffen.
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