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Kassel
Luckes neuer Versuch für "Fortschritt und Aufbruch"

Fotos: Bernd Lucke – Familienvater, Professor, Ex-AfD-Gesicht
Fotos: Bernd Lucke – Familienvater, Professor, Ex-AfD-Gesicht FOTO: dpa, pse jak
Kassel. In einem Hotel nahe dem ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe setzte Bernd Lucke gestern Abend mit siebzig konservativ-wirtschaftsliberal gesinnten Anhängern eine neue Partei aufs Gleis. Sie soll Alfa heißen und nun Fahrt aufnehmen zu den nächstgelegenen Zielen bei Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt 2016. Die vier Buchstaben Alfa stehen als Kürzel für "Allianz für Fortschritt und Aufbruch". Von Reinhold Michels

In dem neuen Parteinamen steckt noch ein Rest von "Alternative für Deutschland", kurz: AfD. Das ist die von Lucke 2013 mitgegründete neue Partei, die ihren einstigen Kopf beim Parteitag Anfang des Monats mit Pöbeleien und anschließender Vorstandswahl-Niederlage gegen die sächsische Rivalin Frauke Petry gedemütigt und in gewisser Weise vom Hof gejagt hatte. Der Lucke-Getreue Hans Olaf Henkel sprach nach dem Parteitags-Debakel für viele inzwischen ausgetretene AfDler, die nun die "Alfa" initiieren, man wolle mit einer "NPD light" oder einer "NPD im Schafspelz" nichts mehr zu tun haben.

Lucke bezifferte gestern die Zahl der Interessierten an der Alfa-Gründung auf 5000 Menschen. Das wären etwa 1000 mehr, als mit dem sogenannte Weckruf 2015 sympathisieren. Dieser "Weckruf 2015" war im Frühjahr dieses Jahres von Lucke ins Leben gerufen worden, nachdem sich die AfD für seinen Geschmack unter Wortführung von Petry immer rechtspopulistischer an die Protestränder der Gesellschaft begeben hatte.

Den innerparteilichen Machtkampf hatte Lucke bei dem Essener Entscheidungs-Parteitag der AfD gegen Petry mit ihren gut organisierten Unterstützungs-Truppen deutlich verloren. Mit Alfa möchte Lucke nunmehr an die Anfänge der Protestpartei AfD anknüpfen und sich schon im Namen gegen politisch Rückschrittliches, Kleinbürgerlich-Gehässiges stemmen.

Die Strategie: Hier die ewig Gestrigen von der Petry-AfD, dort die neuen Bürgerlichen von Alfa, die frei nach Franz Josef Strauß behaupten, konservativ zu sein - was in Wahrheit bedeute, an der Spitze des Fortschritts zu marschieren. Fortschritt in Europa, so sehen es die Alfa-Befürworter, gebe es eben nicht mit dem Euro, sondern nur ohne ihn, und nicht mit soundsoviel Rettungsversuchen der Euro-Zone zu Gunsten des griechischen Lazarus. Alfa will zudem gegen die verbreitete Technik-Skepsis im Land kämpfen sowie eine geordnete Zuwanderungspolitik erreichen.

Quelle: RP
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