| 10.25 Uhr

Berlin
Alle schauen auf Merkel

Berlin. Die Bundeskanzlerin reist zum fünften EU-Afrika-Gipfel in die Elfenbeinküste.

Es ist ein wichtiger Gipfel für Bundeskanzlerin Angela Merkel, auch wenn er ihr zeitlich gerade überhaupt nicht ins Programm passt. Eigentlich müsste sich die CDU-Vorsitzende um die Bildung einer neuen Regierung kümmern. Wären die Jamaika-Sondierungen nicht geplatzt, hätte die Welt jetzt eine bessere Ahnung davon, wohin Deutschland steuern wird. So aber kommen heute in Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union und der Afrikanischen Union mit einer geschäftsführenden Kanzlerin zusammen, deren Zukunft unsicher ist.

Eine Neuauflage der großen Koalition, die im Ausland viele Regierungen beruhigen würde, ist in weiter Ferne. Dennoch setzen bei diesem fünften EU-Afrika-Gipfel viele Politiker auf Merkel, ob geschäftsführend oder nicht. Sie ist seit Jahren eine Wortführerin in der Flüchtlingspolitik, sie hat Deutschland zu großen Anstrengungen bei der Hilfe für Flüchtlinge verpflichtet, sie bemüht sich seit Langem mit afrikanischen Staaten um sogenannte Migrationspartnerschaften. Ihr Ziel: staatliche und private Investitionen in Transit- und in Herkunftsländern der Flüchtlinge, damit die Menschen dort eine Perspektive haben. Eine Hilfe für Afrika und Europa. Darauf zählen ihre Amtskollegen.

Das Motto des Gipfels lautet "Investition in die Jugend für eine nachhaltige Zukunft". Merkel appelliert dabei an afrikanische Politiker: "Achtet auf eure Jugend, sie ist willens, etwas zu tun, sie ist intelligent, sie ist lernbereit."

Der Bedarf ist riesig: Afrika braucht nach Einschätzung des UN-Kinderhilfswerks Unicef im kommenden Jahrzehnt zusätzlich bis zu zehn Millionen Lehrer und Gesundheitshelfer. Die Regierungen und die internationale Entwicklungshilfe müssten in Gesundheit, Bildung und Schutz für die Kinder in Afrika investieren. Arbeitslosigkeit und Instabilität dürften nicht zunehmen. Nach Berechnungen von Unicef wird die Bevölkerung Afrikas bis zum Jahr 2030 um 170 Millionen Mädchen und Jungen zunehmen. Bereits heute sind knapp die Hälfte der 1,25 Milliarden Einwohner des Kontinents Kinder und Jugendliche.

(epd/kd)
 
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